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Dieter David Scholz
Restaurant-Empfehlung
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Weinrestaurant Risacher
Es war einmal ....
Zum 01.01.2008
Savignyplatz 11, Eingang Kantstraße
hat Yves Risacher sein
Restaurant verkauft
Berlin Charlottenburg
Tel.: 030 - 313 86 97
Es
geht vielen so: jahrelang geht man an Yves Risachers Weinrestaurant vorüber,
ohne es zu bemerken. Irgendwann wird man von einem seiner Stammgäste
mitgenommen. Und dann bleibt man ihm treu, über Jahre hinweg. Und wird
selten enttäuscht, weder mit Speisen noch mit Weinen. Bei Yves fühlt man
sich einfach wohl, schon wegen der warm- und offenherzigen Zuwendung des
weltgewandten Gastwirts, aber auch weil sein Restaurant, halb rustikale
Weinstube, halb plüschiges Bistro, sich keinem Zeitgeist anbiedert.

Man sitzt an
blankgescheuerten Tischen und ledergepolsterten Eichenstühlen, umgeben
von dunklen Holzpaneelen unter leuchtend gelben Wänden. Wenige Photos und
Bilder, schmiede-eiserne Jugendstillampen mit gelben Schirmchen und immer
ein großer Strauß frischer Schnittblumen in der Mitte des vorderen
Raums, altrosa plüschbezogene
Sofas im hinteren Raum, schaffen eine wohltuend gemütliche,
schlichte Atmosphäre, die einen eher an ein elsässisches oder süddeutsches
Gasthaus denken lässt als an Berlin. Wie schön, dass es das gibt in
Berlin. Das Weinresturant Risacher ist nie „trendy“ gewesen. Will es
auch gar nicht sein, denn hier gilt´s dem Weingenuß und dem Gespräch.
Leute aus Kultur und Wirtschaft sind unter den Stammgästen aus aller
Welt. Man trifft sich gern mit Freunden und Bekannten bei Yves. Es sind
fast durchweg (wie Yves selbst) Individualisten, die das Lokal schätzen,
um verschont von jedweder Musikberieselung und (leider immer häufiger
anzutreffenden) unprofessionellen „Bedienung“ zusammenzukommen zum
Reden und Weintrinken in ge-pflegter Atmosphäre. Nun ist Yves Weinangebot
auch außergewöhnlich! Seine Elsässer, Rheingau-, Franken- und französischen
Weine sind mit großer Kennerschaft und Passion des Genießers
zusammengestellt. Allein seines vorzüglichen Chateauneuf du Pâpe wegen
lohnt ein Besuch des Lokals. Von den Schaumweinen und Bränden zu
schweigen.
Auch
in der Küche führt Yves ein bisher jedenfalls strenges, bewährtes Regiment. Und das schon
seit über zwanzig Jahren. Er kam nach Berlin, um zu studieren und wurde
Wirt. Seine Pariserische Herkunft steht Pate bei allem, was er einem
auftischt, ob Perlhuhnbrust auf Estragonsauce oder LammKaree, Boeuf
Bourgignon oder Kalbsnierchen in Pommery-Senfsauce. Sein Friséesalat,
seine Roten Beete, seine Pasteten und Suppen, die Quiche Lorraine mit
Blattsalaten, die Crème Caramel, seine Mousse au chocolat und auch das
immer frisch gebackene Brot überzeugen, wenn nicht gerade der Koche
ausgetauscht oder das Salz vergessen wird. Leider hat das kulinarische
Niveau des Lokals in letzter Zeit etwas nachgelassen. Dabei waren Yves Rösti
immer konkurrenzlos in Berlin.
Seine Speisekarte setzt auf
Kontinuität und gleichbleibendes bürgerliches Repertoire, aber das auf
hohem Niveau. Modische Phantasie und neugierige Koch-Kreativität
sind Yves Sache nicht unbedingt. Er setzt eher auf Klassiker der französischen,
elsässischen, auch südwestdeutschen Küche. Aber man geht ja auch nicht
zu Yves, um Neues kennenzulernen. So wie er auch nicht von Laufkundschaft
oder Yuppies, Insidern irgend einer der vielen Szenen oder Neugierigen
lebt. Er ist eine Institution, keine chicke "Location".
Bei Yves weiß man, was einen erwartet und was man für sein Geld
bekommt. Freilich, seine Solidität
hat ihren Preis. Er hat bereits die Schmerzgrenze erreicht. Dafür könnte
man zumindest Stoffservietten und weiße Tischwäsche erwarten.
Manchmal,
wenn sich Yves zu einem an den Tisch setzt, bleibt man bis in die
Morgenstunden, er wird dann nicht selten spendabel. Gesprächig und
unkompliziert ist er immer, auch wenn er mal keinen guten Tag hat. Das
schätzt man an ihm. Man kann über fast alles mit ihm reden, wenn man will.
Aber er drängt sich nie auf. Diskretion ist für ihn ebenso Ehrensache wie
Aufmerksamkeit und Höflichkeit. Seine kosmopolitische Gewandtheit ist
angenehm.
Wie
gesagt: Wenn man Aufregendes sucht, Prickelndes, im neusten Trend liegendes
oder
Verrücktes, geht man besser an andere Orte in Berlin. Derer gibt es
viele. Yves Risachers Weinrestaurant ist ein
gastronomischer Fels des Bewährten in der wilden, unbeständigen Brandung der Küchen
und Theken Berlins, ein wohltuender Hort der kulinarischen
Tradition. Das ist schon etwas und noch immer ein Geheimtip in Berlin.

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