Dieter David Scholz

Restaurant-Empfehlung


Weinrestaurant Risacher 2008 wiedereröffnet

Aber seit Sommer 2009 schon wieder geschlossen

Restaurant Risacher

Risachèr. Restaurant
Regionale Gerichte aus Frankreich
Hans Oerlemans.

Hans Oerlemans

Savignyplatz 11 (Eingang Kantstrasse). Tel: 030-3138697
www.risacher.de
eMail:
info@risacher.de
Öffnungszeiten: Mo. - Fr. 12.00 - 24.00 Uhr
                                  Sa. 18.00 - 24.00 Uhr
                                  So. geschlossen
 

 

Im Januar 2008 hat der erfolgreiche niederländische Gastronom Hans J. A. Oerlemans das Weinrestaurant von Yves Risacher übernommen. Er hat das Lokal mit sehr viel Geschmack, mit dezenter farblicher Umgestaltung, ausge-wählter Kunst an den Wänden und manchen schönen Dingen veredelt,  komfortabler gestaltet und erfreulich aufgefrischt.

Exzellente Weine (die auch glasweise zu moderaten Preisen angeboten wer-den), eine raffinierte, breitgefächerte Speisekarte (von einfacher Bauernküche bis zu Haute Cuisine), die sich an Yves Risachers beste Tradition anlehnt, aber neue, kreative Wege geht, dürften jeden Liebhaber französischer Küche begeistern. Mehr denn je ist dies ein ruhiger, entspannender Ort zum Ge-nießen und Wohlfühlen jenseits des Berliner Mainstreams und Zeitgeists. Das Stammpublikum, aber auch neue, anspruchsvolle, internationale Gäste wissen dies schon jetzt zu schätzen. Ein Glücksfall.

 

Einige von Hans Oerlemans bisherigen Wirkungsstationen: Château Mauves sur Loire, Château des Thermes, Chaudfontaine (Belgien), Hotel Averisto und Mimosa (Portugal), Hotel Ascolago, Ascona (Schweiz), Mijlof Manor Hotel, Kapstadt (Südafrika), The Lord Charles Hotel, Somerset-West, Kapstadt (Südafrika), Hotel Krasnapolsky, Amsterdam (Niederlande), Bouffe & Bollinger, Antwerpen (Niederlande)  ...


Weinrestaurant Risacher                                  Zum 01.01.2008 
Savignyplatz 11, Eingang Kantstraße                               hat Yves Risacher sein         
                                                                     Restaurant verkauft
Berlin Charlottenburg                                                       
Tel.: 030 - 313 86 97
 

Es geht vielen so: jahrelang geht man an Yves Risachers Weinrestaurant vorüber, ohne es zu bemerken. Irgendwann wird man von einem seiner Stammgäste mitgenommen. Und dann bleibt man ihm treu, über Jahre hinweg. Und wird selten enttäuscht, weder mit Speisen noch mit Weinen. Bei Yves fühlt man sich einfach wohl, schon wegen der warm- und offenherzigen Zuwendung des weltgewandten Gastwirts, aber auch weil sein Restaurant, halb rustikale Weinstube, halb plüschiges Bistro, sich keinem Zeitgeist anbiedert.

Man sitzt an blankgescheuerten Tischen und ledergepolsterten Eichenstühlen, umgeben von dunklen Holzpaneelen unter leuchtend gelben Wänden. Wenige Photos und Bilder, schmiede-eiserne Jugendstillampen mit gelben Schirmchen und immer ein großer Strauß frischer Schnittblumen in der Mitte des vorderen Raums,  altrosa plüschbezogene Sofas im hinteren Raum, schaffen eine wohltuend gemütliche, schlichte Atmosphäre, die einen eher an ein elsässisches oder süddeutsches Gasthaus denken lässt als an Berlin. Wie schön, dass es das gibt in Berlin. Das Weinresturant Risacher ist nie „trendy“ gewesen. Will es auch gar nicht sein, denn hier gilt´s dem Weingenuß und dem Gespräch. Leute aus Kultur und Wirtschaft sind unter den Stammgästen aus aller Welt. Man trifft sich gern mit Freunden und Bekannten bei Yves. Es sind fast durchweg (wie Yves selbst) Individualisten, die das Lokal schätzen, um verschont von jedweder Musikberieselung und (leider immer häufiger anzutreffenden) unprofessionellen „Bedienung“ zusammenzukommen zum Reden und Weintrinken in ge-pflegter Atmosphäre. Nun ist Yves Weinangebot auch außergewöhnlich! Seine Elsässer, Rheingau-, Franken- und französischen Weine sind mit großer Kennerschaft und  Passion des Genießers zusammengestellt. Allein seines vorzüglichen Chateauneuf du Pâpe wegen lohnt ein Besuch des Lokals. Von den Schaumweinen und Bränden zu schweigen.

Auch in der Küche führt Yves ein bisher jedenfalls strenges, bewährtes Regiment. Und das schon seit über zwanzig Jahren. Er kam nach Berlin, um zu studieren und wurde Wirt. Seine Pariserische Herkunft steht Pate bei allem, was er einem auftischt, ob Perlhuhnbrust auf Estragonsauce oder LammKaree, Boeuf Bourgignon oder Kalbsnierchen in Pommery-Senfsauce. Sein Friséesalat, seine Roten Beete, seine Pasteten und Suppen, die Quiche Lorraine mit Blattsalaten, die Crème Caramel, seine Mousse au chocolat und auch das immer frisch gebackene Brot überzeugen, wenn nicht gerade der Koche ausgetauscht oder das Salz vergessen wird. Leider hat das kulinarische Niveau des Lokals in letzter Zeit etwas nachgelassen. Dabei waren Yves Rösti immer konkurrenzlos in Berlin. Seine Speisekarte setzt auf Kontinuität und gleichbleibendes bürgerliches Repertoire, aber das auf hohem Niveau. Modische Phantasie und neugierige Koch-Kreativität sind Yves Sache nicht unbedingt. Er setzt eher auf Klassiker der französischen, elsässischen, auch südwestdeutschen Küche. Aber man geht ja auch nicht zu Yves, um Neues kennenzulernen. So wie er auch nicht von Laufkundschaft oder Yuppies, Insidern irgend einer der vielen Szenen oder Neugierigen lebt.  Er ist eine Institution, keine chicke "Location".  Bei Yves weiß man, was einen erwartet und was man für sein Geld bekommt. Freilich, seine Solidität hat ihren Preis. Er hat bereits die Schmerzgrenze erreicht. Dafür könnte man zumindest Stoffservietten und weiße Tischwäsche erwarten.

Manchmal, wenn sich Yves zu einem an den Tisch setzt, bleibt man bis in die Morgenstunden, er wird dann nicht selten spendabel. Gesprächig und unkompliziert ist er immer, auch wenn er mal keinen guten Tag hat. Das schätzt man an ihm. Man kann über fast alles mit ihm reden, wenn man will. Aber er drängt sich nie auf. Diskretion ist für ihn ebenso Ehrensache wie Aufmerksamkeit und Höflichkeit. Seine kosmopolitische Gewandtheit ist angenehm.

Wie gesagt: Wenn man Aufregendes sucht, Prickelndes, im neusten Trend liegendes oder Verrücktes, geht man besser an andere Orte in Berlin. Derer gibt es viele. Yves Risachers Weinrestaurant ist ein gastronomischer Fels des Bewährten in der wilden, unbeständigen Brandung der Küchen und Theken Berlins, ein wohltuender Hort der kulinarischen Tradition. Das ist schon etwas und noch immer ein Geheimtip in Berlin.