Dieter David Scholz

Bücherlese


  Zu den 99. Bayreuther Festspielen 2010

 Neue Wagnerliteratur 

 

Schekauski: Alle Jahre wieder Ende Juli schaut die Welt auf Bayreuth, wo die Richard-WagnerFestspiele eröffnet werden. Gleichzeitig tun die Verlage alles, um die Auslagen der Buchgeschäfte, nicht nur, aber natürlich ganz besonders in Bayreuth, mit neuer Wagnerlitera-tur zu versorgen. Darüber sprechen wir jetzt mit unserem Wagnerspezialisten Dieter David Scholz. Herr Scholz, ist die Menge an Wagner-Neuerscheinungen denn überhaupt noch zu überschauen?

Scholz: Kaum, denn man kann natürlich nicht die ganze Flut an Neuerscheinungen  überblicken, die sich über die Büchertische ergießt. Ich  habe allein zwei Dutzend deutschsprachige Titel ge-funden, die sich mit Wagner im engsten Sinne befassen. Titel, die gerade erst erschienen sind, aber auch Titel, die seit den letzte Bayreuther Festspielen peu peu auf den Markt kamen. So wird ja auch in den Bayreuther Wagnerbuchhandlungen gezählt, immer von einem Festspiel-jahr zum nächsten. Und was dazwischen erschienen ist, gilt als neue Wagnerliteratur. Ausser-halb der Wagner-Festspielzeit nimmt ohnehin kaum jemand die Wagnerliteratur wahr.

Schekauski: Bei so vielen neuen Titeln wird einem etwas shwindelig. Da heißt es die Spreu vom Weizen scheiden. Sie haben ja nun die Neuerscheinungen gesichtet und haben einen Überblick. Gibt es denn unter den vielen neuen Wagner-Büchern ein herausragendes, von dem man sagen könnte: Das ist das Wagnerbuch des Jahres?

Scholz: Nein, das gibt es nicht, keinen wirklich ganz großen Wurf.  Aber es gibt es viele Einzeluntersuchungen, Aufsätze und Sammelbände, die Spezialaspekte Wagners zum Thema haben. 

Eva Rieger/Hiltrud Schroeder: Ein Platz für Götter:
Richard Wagners Wanderungen in der Schweiz.
Böhlau Verlag, 24, 90 €

Zwei Bücher finde ich sehr interessant, zum einen ein Buch von Eva Rieger und Hiltrud Schroeder über Wagner in der Schweiz. Der Komponist Richard Wagner verbrachte ja einen beträchtlichen Teil seines Lebens in der Schweiz, er liebte sie und er starb in ihr. Und in der Schweiz erhielt er vielfältige Anregungen für sein Bühnenwerk. Nicht zuletzt seine Wande-rungen in der Schweiz waren es, die ihn immer wieder inspirierten. Am Vierwaldstdtter im Sihltal bei Zürich im  Walliser Vispertal und am Matterhorn. Zu schweigen vom Säntis oder Hüfligletscher, von der Rigi oder dem Faulhorn

Die Musikwissenschaftlerin Eva Rieger und die Sozialwissenschaftlerin Hiltrud Schroeder sind Wagners Pfaden gefolgt und haben ein Buch darüber verfasst. Der Titel: „Ein Platz für Götter.“ Das bezieht sich auf ein Tagebuchzitat Cosimas, in dem sie schreibt, Wagner habe über die schweizerischen Hochalpen gesprochen, jenseits der Baumgrenze, da wo bloß Stein sei, da sei  Ruhe, das sei der Platz für Götter.

Die Autorinnen haben einmal alles zusammengetragen, um zu verdeutlichen, was Wagners Wanderungen in der Schweiz für ihn und sein Werk bedeuteten. Und sie haben Reiserouten, Verkehrsmittel und Unterkünfte nach Art eines Reiseführers zusammengestellt. Eine Empfehl-ung zum Nachwandern der Wagnertouren, ein Buch für Wanderfreunde wie für Wagnerianer.

Aber es gibt noch ein Buch für Wagnerianer, weniger für Wanderfreunde, und das bezieht sich auf das Rhein-Main-Gebiet.

 

Michael von Soden: Empfänger unbekannt verzogen.
Richard Wagner im Rhein-Main-Gebiet. mvs verlag, 16,80 €

Schekauski: Was hat denn Wagner mit dem Rhein Main-Gebiet zu tun?

Scholz: Viel, denn Wagner hat sich in Biebrich, in der Nähe von Mainz niedergelassen, in der Nähe seines Verlegers Schott. In Biebrich wohnte Wagner von Februar bis November 1862. Ein kurzes, aber folgenreiches Intermezzo seiner stationenreichen, europäischen Vita. Michael von Soden hat sich auf Spurensuche begeben, hat genauestens recherchiert und mit detektivischem Spürsinn alle Orte Wagners aufgesucht und alle Wege und Erlebnisse Wag-ners rekonstruiert in Wort und Bild, mit Darstellungen von einst und jetzt. Darunter pikante Details aus Wagners erotischem Leben, unter anderem darüber wie Wagner und Cosima sich zum ersten Mal nahe kamen.  Aber von Soden entdeckt auch künstlerische Fährten, die von Biebrich bis nach Bayreuth reichen. Und er wartet mit bisher Unentdecktem auf: Als Wagner Biebrich Richtung Wien verlassen hatte, wo er (hochverschuldet) in Frauenkleidern flüchtete, um sich in der Schwäbischen Alb vor der Welt (der Gläubiger) zu verstecken, verlieh das in Frankfurt ansässige Freie Deutsche Hochstift dem Tondichter den Meistertitel. Die Nobilitie-rungs-Urkunde und Wagners Briefwechsel mit dem Freien Deutschen Hochstift sind erstmals bei von Soden abgedruckt. Man hatte Wagner damals in Wien angeschrieben, doch der Empfänger war in­zwischen „unbekannt verzogen“. „Empfänger unbekannt verzogen“ heißt denn auch das liebevoll gestal­tete Buch, das einstweilen nur über die Internet-Adresse des vor wenigen Monaten erst vom Autor ge­gründeten Verlags zu beziehen ist: www.mvs-verlag.de

Ein altbewährter, renommierter Verlag ist dagegen Breitkopf und Härtel, der ja Sämtliche Briefe Wagners herausgibt seit 1967. Und es ist inzwischen wieder ein neuer Band erschienen.

Sämtliche Briefe. Bd. 17: Briefe des Jahres 1865.
Hrg. von Martin Dürrer. Verlag Breitkopf und Härtel, 52,00 €

Schekauski: Ein neuer Band also der seit 1967 entstehenden Ausgabe Sämtlicher Briefe Wagners.  Worüber geht es denn in diesem dicken Briefband? Ist der denn auch für Nicht-wissenschaftler, für ganz normale Musik- und Wagnerinteressierte interessant?

 

Scholz: Ausserordentlich, denn in diesen Wagnerbriefen entdeckt man einen weithin anderen Wagner, als man ihn kennt. Und gerade dieser neue Band des „Tristan“-Uraufführungsjahres 1865 ist besonders aufschlussreich für die (heute überwiegend  falsche) Aufführungspraxis Wagners. Der Komponist wehrt sich nämlich vehement – und das ist sehr eindrucksvoll zu lesen, man möchte es jedem Wagnersänger und Wagnerdirigenten zur Pflichtlektüre empfehlen - ge­gen jede Art von Schreigesang. Man liest in diesen Briefen aber auch, dass der „Tristan“ in München „noch mit der hohen, alten unveränderten Stimmung“ (also um 450 Hertz) aufgeführt wurde, sodass Marke – ein Bass - auch vom Bariton-Sänger des Kurwenal gesungen werden konnte. Und eine Legende wird in diesen spannenden Briefen zerstört, dass nämlich Wagners Uraufführungs-Tristan-Sänger Ludwig Schnorr von Carlosfeld nicht an der ver­meint­lich mör­derischen Partie, sondern an einer „Gelenkmuskel-Entzündung“ am rechten Knie starb. So banal ist das Leben. Nachzulesen in dem Band der Wagner-Briefe, Bd. 17.

Interessant und sehr originell finde ich aber auch ein kleines Bändchen mit dem Titel  „Wal-hall-Schwindel“, das der Literaturwissenschaftler Joachim Schultz herausgegeben hat.

Joachim Schultz: „Walhall-Schwindel“.
Richard Wagner und die Literaten.
HAGEL (Hefte für Angewandte Literaturwissenschaft 17/18), 12,00 €

Schekauski: Der Titel „Walhall-Schwindel“ lässt nichts Gutes ahnen. Ist das das Anti-Wagner-Brevier des Jahres?

Scholz: Das kann man nicht sagen, aber es ist eine gewitzte, freche Zusammenstellung von literarischen Meinungen über Richard Wagner, eine Zusammenstellung von boshaften wie ironischen, dummen wie klugen Äußerungen über ihn. Eine Schatztruhe entlegener Zitate über Wagner aus dem Munde von 140 Autoren. Ein Vad­mecum für Wagnerianer, mehr noch für Antiwagnerianer. Stefan George war ein solcher, und von ihm stammt auch das Titel-Zitat vom „Walhall-Schwindel“. George, der sich selbst zum „Meister“ stilisiert und Jünger um sich geschart hatte, hat natürlich Wagners „Meister“-Allüren  gründlich durchschaut und mißtraut.

Schekauski: Um an vorhin anzuknüpfen, es gibt  zu den diesjährigen Festspielen keinen ganz großen Wurf, kein Wagnerbuch, das man unbedingt kaufen muß, wenn man sich für Wagner interessiert. Aber Sie sagten, dass es eine ganze Reihe von Spezialuntersuchungen, Aufsätzen und Sammelbänden gibt, die ein neues Licht auf Wagner werfen. Was sind denn für Sie die interessantesten Publikationen?

Anne Katrin Kaiser: Die Kunstästhetik Richard Wagners
in der Tradition E.T.A. Hoffmanns.
Verlag Rombach, 39,80 €
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Scholz: Also sehr interessant finde ich ein Buch von Anne Katrin Kaiser, in dem endlich einmal sehr genau dem Einfluss E.T.A. Hoffmanns auf Wagner nachgegangen und festgestellt wird, dass Wagners Kunstästhetik tatsächlich auf dem Gedankengut der romantischen Metaphysik, spe-ziell dem Denken des Dichters E.T.A. Hoffmann aufbaut. Sowohl die Idee des Musikdramas - die Vereinigung von Wort und Ton -  als auch der Gedanke der Kunstreligion sind im Grun-de schon bei E.T. A. Hoffmann zu finden. In diesem Buch lernt man wirklich etwas über Wagners Verwurzelung in der Romantik.

Lynn Snook: Wagners mythische Modelle.
Verlag Müller-Speiser, 20,00 €

Nicht weniger interessant finde ich die Arbeiten der Mythenforscherin Lynn Snook, die jetzt endlich gebündelt als Buch erschienen sind. Lynn Snook war eine der Hausautorinnen Wie-land Wagners und seines Neubayreuths, für dessen Abtauchen ins Mythische sie die Augen öffnete. Lynn Snook wurde damals in Bayreuth nur „Frau Mythe“ genannt. Sie hat in vielen Programm­heften zu Wieland Wagners Inszenierungen Aufsätze geschrieben.  Der Berühm-teste heißt „Weltgschichte aus dem Mythos“. Das war gewissermaßen das Motto der Wie-land-Inszenierungen. Diesen und all ihre anderen hochinteressanten, aber eben nur noch zu beschaffenden Aufsätze sind jetzt endlich einmal in einem Buch zusammengestellt worden.

Schekauski: Die Wagnerianer wissen es: Es gibt seit 2005 die Zeitschrift „Wagner-spectrum“, die zweimal im Jahr dicke Veröffentlichungen herausbringt, die eher als Buch denn als Zeitschrift zu bezeichnen sind. Meistens zu einem speziellen Thema. Worum geht es denn in der neusten Ausgabe? Ist sie lesenswert?

Wagnerspectrum 1/2010: „Wagner und Italien“.
Verlag Königshausen & Neumann, 18,00 €

Scholz: Ja, sie ist sehr lesenswert, denn das Thema heißt „Italien“. Wagner war ja viel in Italien, hat Italien sehr geliebt, ist ja auch in Italien gestorben. Und Italien spielt in seinem Werk eine gewichtige Rolle. Und dieser neue Band des Wagnerspectrums beleuchtet sehr aufschluss-reich einige italienische Wagner-Aspekte. Beispielsweise wird der Zusammenhang von Wag-nergesang und Belcanto einmal näher untersucht, was längst überfällig ist. Wagner wollte ja keinen Schreigesang, sondern einen “deutschen Belcanto“. Vor allem aber wird einmal sehr aus­führlich die hochinteressante Beziehung Wagners zu Verdi dargestellt. Verdi hat sich ja sein Leben lang aufmerksam mit Wagner beschäftigt, der gewissermaßen sein Gegenpol war. Man erfährt aber auch, dass Puccini eine italienische Meistersinger-Fassung mit starken Kürzungen anfertigte und wie italienische Gemälde Wagners Musikdramen inspirierte. Wagner und Italien:  Ein faszinierendes Thema.

 

Schekauski: Sie haben es vorhin gesagt: Über keinen Komponisten ist soviel, auch so viel Überflüssiges und Geschwätziges geschrieben worden wie über Richard Wagner. Gibt es unter den diesjährigen Neuveröffentlichungen ausgesprochen kuriose Dinge, Bücher, über die man sich verwundert oder die unzeitgemäß sind? 

Gottfried Wagner: Wer nicht mit dem Wolf heult.
Autobiographische Aufzeichnungen eines Wagner-Urenkels.
Kiepenheuer & Witsch, 2010. 9,95 €

Scholz: Ja. Völlig überflüssig finde ich die Neuausgabe des Buches von Gottfried Wag-ner „Wer nicht mit dem Wolf heult“. Gottfried ist ja der verstossene Sohn aus Wolfgang Wagners erster Ehe. Er hat seit dem Erscheinen des Buches 1997 nichts dazugelernt, es ist und bleibt auch in der jetzt erweiterten Taschenbuchausgabe ein wirres, an Unwahrheiten und Bösartigkeiten reiches Buch der Abrechnung mit dem Übervater wie dem Übergroßvater aus der Perspektive der beleidigten Leberwurst und des Zukurzgekommenen, der sich versteckt hinter der Maske des Moralapostels und Weltverbesserers.

 

Leipziger Beiträge zur Wagner-Forschung 2:
Internationales Kolloquium 1983 in Leipzig.
Richard Wagner - Leben, Werk und Interpretation.
Sax-Verlag, 19,80 €

Kurios finde ich den Band Zwei der „Leipziger Beiträge zur Wagnerforschung“. Er enthält die gedruckten Beiträge des internationalen Leipziger Wagner-Kolloquiums 1983. Der Band ist mit  27 Jahren Verspätung erschienen. Wofür vom Herausgeber die Wiedervereinigung und die bösen westdeutschen Verleger verantwortlich gemacht werden. Der Band hat - mit Ver-laub gesagt  - etwas von "Ostalgie" und feiert postum die DDR-Wagnerforschung, die sich ziemlich einseitig „ihren“  Wagner ideologisch zurechtlegte, einen Wagner als Wegbereiter des Sozialismus. Das heute zu lesen, wirkt einfach anachronistisch und kurios.  

Besonders enttäuschend finde ich den Vortrag des hochangesehenen Regisseurs Joachim Herz, der die konzeptionelle Grundlage seines Aufsehen erregenden Leipziger „Rings“ gewe-sen sein soll. Aber er strotzt von fragwürdigen Behauptungen, sozialistischen Binsenweisheiten und ist auch sprachlich ziemlich hilflos. Um so interessanter ein brillianter Vortrag des renom-mierten Leipziger Wagnerforschers Werner Wolf, in dem er über den überschätzten Einfluß Schopenhauers auf Wagner referiert. Die Highlights: Hubert Kolland entlarvt auf bestechende Weise die  Wagnerrezeption des Faschismus als blanken Missbrauch. Und Martin Gregor-Dellin resümiert: „Das gestörte Verhältnis der Deutschen zu Richard Wagner ist das gestörte Verhältnis zu ihrer Geschichte.“ Besser kann man es nicht sagen!

Schekauski: Nun war ja Wagners Wirkung nicht nur aufs Theater und auf die Musik beschränkt. Wie kein anderer hat er alle Künste, die Literatur, ja sogar den Film beeinflusst. Gibt es dazu etwas Neues auf dem Buchmarkt?

Sabine Sonntag: Richard Wagner im Kino.
Studien zur Geschichte, Dramaturgie und Rezeption
filmmusikalischer Künstlerbiographien. Verlag Dohr, 39,80 €

Scholz: Ja, es gibt, was seit langem anstand, endlich ein gründliches Buch über „Richard Wagner im Kino“. So heißt das Buch von Sabine Sonntag, in dem sie in aller Gründlichkeit Wagner als Filmfigur, Verfilmungen von Wagners Bühnenwerken, aber auch den Filmeinsatz in Wagnerinszenierungen und die Verwendung von Musik Richard Wagners im Kino unter-sucht und dokumentiert. Da erfährt man alles, was man zum Thema Wagner und Film wissen möchte. Ein Buch zum Nachschlagen, Vertiefen und auch Kennenlernen. Denn es gibt mittler-weile so viele Wagnerfilme und Wagnerverfilmungen, dass so ein Leitfaden  von großem Nutzen ist.

Schekauski: Richard Wagner und die Wagnerliteratur – Herr Scholz, Sie haben uns einen Überblick gegeben über das, was zum Beginn der Bayreuther Festspiele auf den Bayreuther Büchertischen zu finden sein wird. Und nicht nur dort. Wieder mal eine ganze Menge. Aber wenig, wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist dabei, was man unbedingt kaufen muß,. Haben Sie denn -  um unser Gespräch über neuste Wagnerliteratur abzurunden  - noch eine ganz persönliche Empfehlung, die Sie unseren Hörern geben können? Einen letzten, - vielleicht ganz persönlichen -  Tip?

 

Herbert Rosendorfer:
ichard Wagner, der fröhliche Heide
oder Die Aufhebung der dramatischen Zentralperspektive.
Verlag Franz Steiner, Stuttgart, 6,00 €

Scholz: Ja, es ist eine kleine Broschüre, ein Heftchen eigentlich, erschienen als Son-derdruck der Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz. Der Autor ist kein Geringerer als Herbert Rosendorfer, kritischer Wagnerianer, Amtsrichter und Schriftsteller in Personalunion. Sein in vielen erfolgreichen Romanen und Erzählungen dokumentierter Humor, sein Sarkasmus, seine Ironie machen auch vor Richard Wagner nicht halt. „Richard Wagner, der fröhliche Heide“ heißt ist dieser abgedruckte Vortrag. Er gehört zum ironischsten und lustigsten, was man über den Erotiker Wagner lesen kann. Rosendorfer erklärt uns in diesem Essay den „Parsifal“ völlig neu, als ein ganz und gar verknödeltes und scheinheiliges Weihe-festspiel zur Befreiung aus erotischen Kalamitäten.  Die rätselhafte Formel „Erlösung dem Erlöser“ versteht Rosendorfer vor allem als Wagners Wunsch nach Erlösung von seiner Gattin Cosima. Eine amüsante, abgründige, ja die vielleicht originellste Annäherung an den Bayreuther „Meister“ und sein „Weltabschiedswerk“.

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Live-Gespräch mit Berndt Schekauski in MDR – Figaro am 24.07.2010

Gebauter Beitrag in NDR Kultur am 23.07.2010