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Dieter David Scholz
Kommentar Traditionsbruch in Bayreuth
Nun kommt sie also, die „Retourkutsche“ gegen die Gewerkschaften, die im vergangenen Sommer bei den Bayreuther Festspielen mit Streikdrohungen erfolgreich für Tariferhöhungen beim nichtkünstlerischen Personal gekämpft hatten. Zur Erinnerung: Seit 1951 gibt es spezielle Gewerkschafts-Vorstellungen bei den Bayreuther Festspielen. Entstanden war das Gewerk-schafts-Privileg nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Festspiele waren wegen ihrer Nazi-Ver-strickung diskreditiert; Wolfgang Wagner, einem der beiden Enkel des Komponisten, gelang es, die Festspiele von der historischen Last zu befreien. Er warb beim DGB Bayern um Unterstützung: Der Gewerkschaftsbund kaufte daraufhin eine komplette Vorstellung zu ermä-ßigten Preisen, später sogar regelmäßig zwei Aufführungen. Da aber eine Hand die andere wäscht, wurde diese Regelung Teil eines Stillhalteabkommens, denn Wolfgang Wagner hatte es im Gegenzug verstanden, die Löhne und Gehälter des nichtkünstlerischen Personals ein-zufrieren auf untertarifliches Niveau. Jahrzehntelang hielten die Gewerkschaften still. Das än-derte sich, wie gesagt, im letzten Jahr. Die Bayreuther Festspiele schlagen nun zurück. Der bayerische DGB-Chef Fritz Schösser sieht in der Entscheidung ein Signal für einen ge-nerellen Wandel in Bayreuth nach dem Rücktritt des langjährigen Festspielchefs Wolfgang Wagner im vergangenen Jahr. Und er hat recht, denn Wolfgang Wagner hat es sich als Allein-herrscher am „Grünen Hügel“, er war Leiter und alleiniger Gesellschafter der Festspiel- GmbH, leisten können, am „Gewerkschafts-Rabatt“ über Jahrzehnte festzuhalten. Nach Wolfgangs Rücktritt hat sich die Gesellschafterstruktur aber grundlegend verändert. Neben den Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier und Katherina Wagner haben nun auch der Bund, das Land Bayern, die Freunde und Förderer und die Stadt Bayreuth als Gesellschafter in Bayreuth mitzureden. Katharina und Eva Wagner haben als heutige Festspielleiterinnen nicht mehr den Status und auch nicht mehr die Autorität wie ihr Vater. Die übrigen Gesellschafter dringen auf höhere Einnahmen, wie Festspielsprecher Peter Emmerich erklärte. Uns sie können es qua Mehrheit durchsetzen. Die Folgen des Traditionsbruchs sind offensichtlich: Zwar gibt es mit dem Wegfall einer DGBAufführung an die 2000 Karten mehr fürs allgemeine Publikum, aber die Karten werden sich peu a peu verteuern. Nicht nur für DGB Mitglieder, die nun Preise wie jeder andere Zuschauer zahlen müssen. Auch für das gewöhnliche Publikum in aller Welt. Denn schon sind für 2010 Honorar- und Gehaltserhöhungsforderungen von Orchester und Chor angekündigt. Die Solisten - bisher weit unter sonstigen Festspielgagen abgespeist - dürften nachziehen. Und so wird sich die Teuerungsspirale bei den Bayreuther Festspielen weiter-drehen, mit nicht absehbaren Obergrenzen. Richard Wagners Traum von erschwinglichen Festspielen für Alle dürfte endgültig ausgeträumt sein! Bayreuth steuert – so macht dieser Traditionsbruch deutlich, in Richtung Exklusiv-Festival á la Salzburg, Glyndebourne & Co.
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