Dieter David Scholz

CD-Tip


Claudio Monteverdi Teatro d'amore              

L´Arpeggiata. Christina Pluhar
Virgin Classics 5099923614000

 

Die spanische Nachwuchs-Sopranistin Nuria Rial hat gerade erst ein Album mit Marien-Gesängen veröffentlicht, da steht ihr Name erneut auf einer brandneuen Platte: gemeinsam mit Philippe Jaroussky – dem derzeit gefeiertsten unter den jungen Countertenören -und Christina Pluhars Ensemble "L'Arpeggiata". Opernarien und Madrigale von Claudio Monteverdi sind darauf zu hören unter dem Titel "Teatro d'Amore". Ob Liebe oder Theater: Man hat schon einiges gehört - aber so etwas noch nicht! 

  

Mit einer frechen, schlanken und beschwingten Version der der Orfeo-Toccata eröffnet das Ensemble "L'Arpeggiata" seine neuste CD - und dann geht es Titel für Titel – es sind insgesamt 16 - so weiter: respektlos, phantasievoll, mit Nonchalance - und weit jenseits aller Ver- und Gebote der Lehrbücher der „Historischen Aufführungspraxis“ Christina Pluhar zele-briert Monteverdi als "barocke Jam Session", also das, was man im Jazz unter zwanglosem Zusammenspiel von Musikern unterschiedlicher Richtungen und Stile versteht. Warum nicht? Der österreichischen Harfenistin und Theorbenspielerin Christina Pluhar, zugleich Leiterin ihres Ensemble L'Arpeggiata, geht es offensichtlich nicht darum, die Opernerrungenschaften Monteverdis akademisch-seriös an die geneigte Klassik-Hörerschaft zu vermitteln. Ihr Ziel scheint vielmehr der hemmungslose, von keinerlei musikphilologischen Bedenklichkeiten getrübte Spaß am Musizieren zu sein.

In einer Art „Best of Claudio Monteverdi“ feiert Christina Pluhar mit ihren Musikern und Sängern  die unterschiedlichen Facetten der Liebe anhand eines Dutzends hochexpressiver Arien und Szenen aus Madrigalen und Opern, die den Taumel von Glückseligkeit und Ein-samkeit, lustvoller Begierde und frustrierenden Missverständnissen beeindruckend realitäts­-  und für uns heute quasi zeitnah widerspiegeln.

Wunderbar sinnlich verschlingen sich die Stimmen von Nuria Rial und Philippe Jaroussky- zwei der hoffnungsvollsten Gesangstalente der jungen Generation -  im  "Lamento della Ninfa", sie harmonieren in Timbre, Farbe und Linienbildung sie schrauben sich ohne einzu-halten ständig weiter im Dialog der Emotionen. Nuria Rial und Philippe Jaroussky sind die beiden populärsten der insgesamt fünf Solisten dieser CD, die beim Label Virgin Classics erschienen ist, doch auch die Tenöre Cyril Auvity und Jan van Elsacker demonstrieren Stil-sicherheit und Gesangskultur, ebenso der Bass Joao Fernandes. Im Ensemble "Arpeggiata" sitzen - inklusive der Leiterin Christina Pluhar - vier Lautenspieler, Streicher und Perkus-sionisten natürlich, eine Harfe - und  Zink-Spieler, und sie alle sind zu Außergewöhnlichem bereit und fähig.

Das brillant abgestimmte Sängerensemble dieser CD hat eine hochemotionale, sehr persön-liche Hitparade der Liebes- und Verzweiflungsszenen Monteverdis eingespielt. Zwischen den Arien und Duetten sind Instrumentalstücke plaziert, die durch bestechende instrumentale Leichtigkeit faszinieren, die ja Christina Pluhars Markenzeichen ist. Immer wieder zieht sie dem Zuhörer  den Boden unter Füßen weg und reißt  ihn mit swingender Theorbe zwischen Himmel und Hölle hin und her: Buena Vista Social Club meets Monteverdi.

Die so eigenwillige wie einfallsreiche Monteverdi-Hommage Christina Pluhars wagt das Be-sondere. In keiner anderen Monteverdi-Produktionen hört man Walking Bass und Jazz-Dreier. Und damit demonstriert dieses intelligente Ensemble wieder einmal eindrucksvoll, dass es bei aller Liebe zur Alten Musik aus Vollblut-Musikern von heute besteht, denen Mu-sikmachen - ungeachtet aller Prinzipien und Grundsätze historisch informierter Aufführungs-praxis - die pure Lust an sich ist. Dem unvoreingenommenen Zuhörer teilt sich dies geradezu anspringend  mit.

 

Deutsche Welle