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Dieter David Scholz
Rigoletto in Venedig ARTE präsentiert heute (2. Oktober 2010) um 20.40 Uhr für alle Opernfreunde einen besonderen Leckerbissen: Giuseppe Verdis „Rigoletto“, leicht zeitversetzt, live aus dem tra-ditionsreichen Teatro La Fenice in Venedig. Claudio Abbados Sohn Daniele inszeniert diesen Klassiker. Einer der besten Verdi-Dirigenten unserer Zeit, der Koreaner Myung Whun Chung, steht am Pult dieser Neuproduktion, die erst vor wenigen Tagen, am 25. September Premiere hatte. Er ist ein Dramatiker am Pult. Der geborene Operndirigent. Lange war er Chef der Bastille-Oper in Paris und wurde in der Schallplattenindustrie wie in Konzert- und Opernleben einige Jahre hoch gehandelt. Doch in Zeiten, in denen Dirigentenkarrieren vor allem nach telegenen Qualitäten eines Maestro gemacht werden, wo es auf Aura und Aussehen, auf Kommunikations- und Entertainment-Qualitäten mehr als auf musikalische ankommt, haben es so unglamouröse, bescheidene und hinter dem Dienst am Werk zurücktretende Persön-lichkeiten wie Myung Whun Chung schwer. Um so erfreulicher, dass es dem neuen künstlerischen Direktor de Teatro La Fenice, Fortunato Ortombina gelungen ist, den koreanischen Dirigenten gleich für mehrere Produktionen in die opernträchtige Lagunenstadt zu engagieren. "Ich glaube, er ist gegenwärtig der beste Verdi-Dirigent. Nach all der modernen Musik, die er gemacht hat, von Sacre du Printemops bis zu Saint Francoise d´Assise kann er uns vermitteln, wie modern dieser Verdi ist." (Ortombina) Verdis Oper "Rigoletto" wurde am 11. März 1851 im Teatro La Fenice in Venedig urauf-geführt. Als Vorlage diente das historisches Drama "Le roi s'amuse" von Victor Hugo. Francesco Maria Piave, der Librettist der Oper, ist gebürtiger Venezianer und deshalb feiert das Teatro La Fenice in dieser Saison mit der Aufführung des "Rigoletto" und der "Traviata" seinen 200. Geburtstag. Der Dirigent Myung-Whun Chung fühlt sich geehrte, diese beiden Geburtstagsaufführungen dirigieren zu dürfen. "Fast mein ganzes Leben hindurch verspürte ich eine tiefe Liebe zu Verdi. Ich empfinde es als große Ehre seine Musik, zumal die, die hier uraufgeführt wurde, an diesem Ort zu dirigieren" (Chung) Mit Roberto Frontali in der Titelpartie verfügt dieser „Rigoletto“ über ein imposantes sänge-risches Zentrum. Neben ihm zwei weitere internationale Stars, der Tenor Eric Cutler in der Partie des Herzogs von Mantua und Desirée Rancatore als Gilda. Aber auch alle übrigen Rollen sind erstklassig besetzt. Eine musikalisch-sängerische Sternstunde, diese Produktion. Szenisch liegt sie in Händen von Daniele Abbado, dem Sohn von Claudio Abbado. Er insze-niert die tragische Geschichte des buckligen Hofnarren, der wegen seines Hochmuts von den Hofschranzen gerächt wird, indem sie seine über alles geliebte Tochter entführen, auf fast leerer Bühne. Nur einige Türen, Wände und Portale verschieben sich und eröffnen immer neue Innen- und Außenräume. Räume für Menschen von heute und Räume für die Musik.
"Verdi ist wie Beethoven. Beide offenbaren sie alle Stärken und Zeugnisse der Menschlich-keit, das was Menschsein heißt, in ihre Musik." (Chung) Der Dirigent Myung Whun Chung hat seine internationale Openkarriere in Florenz begonnen. Und er war lange Musikdirektor des altehrwürdigen Orchestra di Santa Cecilia in Rom. "Ich liebe dieses Land, seine Menschen, seine Küche und seine Liebe zum Gesang. Die Stadt Venedig zumal ist wirklich mirakulös. Zu sagen, sie sei einzigartig ist Understatement. Venedig ist ein Traum. Hier zu musizieren ist ein Privileg. Ich möchte hier gelegentlich Opern dirigieren, denn ich kann mich einfach nicht von Italien trennen." (Chung) Myung-Whun Chungs Verdi ist ein Ausnahme-Verdi der Spitzenklasse. Er erschüttert bis ins Mark. Kein Wunder, Chung hat sechs Wochen lang alle Proben begleitet und dirigiert. Das hört man. Vom Premierenpublikum wurde er denn auch stürmisch gefeiert. Dass dieser Rigoletto der Auftakt einer auf längere Zeit geplanten Zusammenarbeit ist, darüber darf sich Fortunato Ortombina, der Künstlerische Direktor des Teatro La Fenice glücklich schätzen "Ich liebe Maestro Chung und hoffe, dass ich viele Opern mit ihm machen werde. Wir planen zukünftige Projekte und ich bin glücklich, dass er nach Venedig kommt." (Ortombina) Ob er denn Maestro Chung nicht zum Muskchef des Hauses machen wolle, fragte ich Fortunato Ortombina: "Was für eine Frage! Es ist mein Traum. Aber Träume sind eine Sache, die Wirklich-keit ist die andere. Ich weiß, es ist sehr schwer, diesen Traum zu verwirklichen." Beitrag für MDR Figaro 2.10.10
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