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Dieter David Scholz
Problemfall Richard Strauss Am 8. September 2009 sind es 60 Jahre her, dass Richard Strauss gestorben ist, der zu seiner Zeit zweifellos berühmteste deutsche Komponist des 20. Jahrhunderts. Doch die Mei-nungen über ihn gehen auseinander. Als Komponist von einem weltweit großen Publikum ver-ehrt, wird er als Zeitgenosse und Nutznießer des Dritten Reiches von Vielen geschmäht. Richard Strauss ist auch 60 Jahre nach seinem Tod noch immer ein Problemfall.
Ich glaube, Richard Strauss ist als Komponist der ultimative Orchester-Virtuose. In jedem Stil, ob er Opern oder Symphonien komponiert, Kammermusik, Sonaten oder phantastische Lieder. Er ist in jedem Genre ein Meister. (David Zinman)
Die vom derzeit vielleicht kompetentesten Richard Strauss Dirigenten, David Zinman, geäu-ßerte Wertschätzung der Musik von Strauss ist gängige Meinung. Bis heute ist das Werk von Strauss immer noch im Kernrepertoire aller Opern- und Konzerthäuser fest verankert. Andererseits ist da der Charakter Richard Straussens und sein schäbiges Verhalten im Dritten Reich, dem er sich andiente und in dem er – immerhin der berühmteste Komponist Deutsch-lands in seiner Zeit - aktiv antisemitische Musikpolitik betrieb, nicht nur in den zwei Jahren seiner Präsidentschaft der Reichsmusikkammer. Auch wenn über die Bedeutung der Rolle Richard Straussens im Dritten Reich die Meinungen auseinander gehen: Musikhistorisch steht heute vor allem die Frage im Raum: War Strauss ein Traditionalist oder ein Moderner? Noch einmal der Dirigent David Zinman: Er war beides. Er spielte beide Rollen perfekt. Wenn er nicht so am Geld interessiert gewesen wäre, bei Salome und Elektra sah man ja, wohin sein Weg hätte führen kön-nen. Aber nach der Elektra sagte er sich: Diesen Weg kann ich nicht weiter gehen, dann verdiene ich kein Geld mehr.
Strauss ist ja, anders als etwa Mahler, nie ein Bekenntnismusiker gewesen, sondern er ist ein großer Spieler, man könnte fast sagen, er läßt sich auf die Dinge, die er treibt, nie hundert-prozentig ein, er bewahrt immer so die Position dessen, der sich selbst über die Schulter schaut, und dieses Spiel, auch dieses Spiel mit der Musik, das finde ich faszinierend. Ulrich Konrad resümiert: Er ist weltweit wohl einer der letzten Komponisten aus der im weitesten Sinne Dur-moll-tonalen Tradition, der aus Deutschland stammend, immer noch Beachtung und ein großes Publikum findet Und doch ist Richard Strauss – längst eine historische Größe - ein Komponist, bei dem – um es überspitzt zu sagen - die Grundlagenforschung noch am Anfang steht. Es gibt eben bis heute keinen Überblick über das Briefschaffen, es gibt bis heute keinen wirklich verlässlichen Ausgaben in der Hinsicht, das wir sie als historisch-kritisch bezeichnen könnten, also das alles nur als Aufriss der Probleme, denen die Strauss-Forschung gegen-übersteht, und da ist eine zentrale Stelle, wie das Richard-Strauss-Institut unbedingt vonnöten. (U. Konrad) Zehn Jahre besteht es nun, das Richard Strauss-Institut in Garmisch, das vorher in München ansässig war, und seine Zielsetzung ist eine doppelte. Der Leiter des Instituts, Christian Wolf: Einerseits richten wir uns als Spezialeinrichtung in Sachen Richard Strauss an Fach-leute, an Musikwissenschaftler, an Musikinstitutionen unterschiedlichster Art, an Opernhäuser wenden, an Orchester, die unsere Sammlung nutzen, die unsere Fachkompetenz nutzen.
Andererseits veranstaltet man auch fürs allgemeine Publikum Vorlesungen, Konzerte und Führungen durch die Strauss-Villa. Erst neulich machte man mit einem Konzert- und einem Vorlesungszyklus auf „Richard Strauss im europäischen Kontext“ aufmerksam, Vor allem aber der Zugriff auf die unschätzbaren Originalpartituren und Materialien des vor Ort lagernden Familienarchivs Strauss ist es, der den Wert des Instituts für alle Interessierten aus-macht. Denn das Interesse an Strauss, vor allem an seiner Musik, scheint größer denn je. Ulrich Konrad hat recht: vielleicht ist die stilistische Vielseitigkeit und Beweglichkeit ... ... die man in seinem Schaffen beobachten kann, ja doch etwas, was unserem heutigen post-, post-modernen Empfinden und Verständnis wieder entgegenkommt.
MDR, NDR
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