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Dieter
David Scholz
Rezept
Hühnerbouillon, wie ich sie mache ...
Man kann sich natürlich
darüber streiten, wie man die „wahre“ Hühnerbouillon, die „richtige“
Hühnerbrühe zubereitet. Warum auch nicht. Bei der Bouillabaisse ist es auch
nicht anders. Beides verlangt Zeit, Kochkunst, Fingerspitzengefühl, Geschmak
und vor allem Sorgfalt. Doch es führen bekanntlich viele Wege nach Rom. Ich
nehme meißt die folgende Route:
Für 8 - 10 Personen
(Portionen)
Zutaten: 1 großes
Suppenhuhn
oder 1-1,5 kg Hühnerklein (Flügel und Schenkel). Ich
ziehe es inzwischen einem kompletten Huhn vor, denn die Brühe wird
kräftiger. Das ausgekochte Fleisch kann man ohnehin kaum mehr verwerten, es
ist fade und hat seinen Geschmack vollständig in die Brühe abgegeben. (Wer
will, kann es natürlich zum Servieren in kleine Würfelchen schneiden und der
Brühe beigeben. Ich schätze allerdings eine pure, klare Hühnerbouillon über
alles.)
6 große Möhren
1 Sellerieknolle
1 -2 Porreestangen
1 große Zwiebel
1 gr. Bund glatte Petersilie
5 gr. Lorbeerblätter
1 Esslöffel Pfefferkörner
1 Esslöffel Thymian
2 Sterne Anis
3 Teelöffel Salz mindestens
1 Muskatnuss
3 Stangen Zitronengras
unbehandelte Zitronen
In einem sehr großen Topf
die geschälten und halbierten Zwiebelhälften auf der angeschnittenen Seite
ohne Fett anrösten, bis sie braun sind, dann das Huhn oder die Hühnerteile
dazugeben und kurz anbraten. Das geputzte, in grobe Stücke (nicht zu
klein!) geschnittene Gemüse dazugeben und mit mindestens 3 Liter warmem
Wasser aufgießen. Anschließend die Gewürze (mit Ausnahme der Muskatnuß)
zugeben. Auf höchster Flamme (oder Temperatur bei E-Herd) Aufkochen lassen
bei offenem Topf. Auf keinen Fall den Topf mit dem Deckel abdecken, die
Brühe würde trübe werden! Nur wenige Minuten kochen lassen, dann die Flamme
(bzw. Temperatur) herunterdrehen und zwei bis drei Stunden vor sich hin
köcheln lassen. Wenn der Hühnerduft unangenehm stark sein sollte, mehr
geriebenen Thymian zusetzen. Nach einiger Zeit kann man den Deckel durchaus
zu zwei Dritteln schließen (über einen Holzlöffel, der quer über dem Topf
liegt). Regelmäßig kontrollieren, ob die Brühe nicht zu sehr kocht, evtl.
kaltes Wasser zusetzen.
Nach zwei Stunden
kontrollieren, ob das Gemüse ausgekocht ist. Wenn es so weich ist, dass man
mit der Gabel hineinstechen kann, oder mit dem Messer wie in Butter, sollte
man es mit dem Schaumlöffel herausnehmen, auch die Pfefferkörner und die
ausgekochten Kräuter und Lorbeerblätter. Das kann zwei bis drei Stunden
dauern. Nur das Geflügel in der Brühe lassen.
Gasflamme oder E-Platte
ausschalten. Brühe einige Stunden abkühlen lassen, bis etwa eine Stunde vor
Beginn des Essens. Dann wieder heiß machen und das Huhn bzw. die Hühnerteile
vorsichtig (es sollte nichts zerfallen) mit der Schaumkelle komplett
herausnehmen, sodaß nur noch die klare reine Brühe im Topf bleibt,
eventuelle kleinere Schwebeteile mit einem Schöpfsieb herausnehmen. Die
gedreiteilten und mit dem Küchenbeil platt geschlagenen Zitronengras-Stengel
hinzufügen, die Brühe noch eine Welie leise vor sich hin köcheln lassen bis
zum Auftischen. Aber keinesfalls mehr richtig kochen lassen!
Erst kurz vor dem Servieren
die Brühe kosten. Unängstlich nachsalzen, mit frischem geriebenem Pfeffer
beherzt würzen und mit geriebener Muskatnuß abschmecken. Vor dem Auftragen
drei Esslöffel (je nach Geschmack) Kräuterbattuto und eine Zitronenscheibe
in den Suppenteller geben, die sehr heiße Brühe daraufgießen. Das leichte
Zitronenaroma nimmt dem Huhn alles Banale und Aufdringliche.
Fürs Kräuterbattuto: (Ein
Battuto ist etwas Zerstoßenes, Gehacktes in der italien. Küche)
1
Bund glatte Petersilie
1 Bund Koriander
1 Knoblauchzehe
1/3 Porreestrange
Alle Zutaten sehr klein hacken.
Bouillon mit Battuto
sofort servieren! Dazu frisches Weißbrot reichen.
Eine so zubereitete
Bouillon ist ungemein aromenreich, von leichter, animierender Schärfe,
würziger Kraft, reicher Essenz und wohltuender Wirkung auf Leib und Seele
sowohl vor einem Fisch- wie einem Fleischgang. Eine derart verflüsigte
Quintessenz des Huhns schmeichelt Gaumen und Magen, regt Geschmackspapillen
und Sinne an, sie macht Lust auf „mehr“, belebt, stärkt und ist doch leicht
und unbelastend vor weiteren Gängen eines Menüs. Ein idealer Gang zwischen
zwischen Antipasti und primi piatti. Zuweilen auch zwischendurch, einfach so
und ohne weitere Gänge von kräftigender, außerordentlich wohliger Wirkung.
Zu einer Hühnerbouillon
passt jeder gute, trockene Weißwein vorzüglich, auch jede Art von
Schaumwein, falls man in der Dramaturgie des Dinners oder Lunchs noch dabei
sein sollte.

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