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Dieter David Scholz
Kommentar für Deutsche Welle 23.05.2008 Daniel Barenboims Sieg Es war 1997, als der 1949 in Mittelfranken geborene Regisseur Peter Mussbach mit Alban Bergs Oper Lulu seinen Regie-Einstand an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, dem Schmuckkästchen unter den drei Berliner Opernhäusern, gab. Er inszenierte dort unteren Anderem auch Opern von Verdi, Schreker, Schostakowitsch und Schönberg. 2003 wurde der Jurist, Psychiater, Neurologe, Soziologe und Regisseur Mussbach Intendant des Hauses. Jetzt, nach 5 Jahren, wurde er, zwei Jahre vor Ablauf seiner vertraglich vereinbarten Amts-zeit, fristlos und unwiderruflich von seinem Amt entbunden. Es war der Endpunkt eines seit lLngerem schwelenden Streits zwischen ihm und GMD Daniel Barenboim. Es ging, wie immer, ums Geld. Schließlich will Barenboim mehr Geld für seine Staatskapelle, alles Übrige scheint ihm egal. Und er hat das Sagen. Denn Barenboims geschickt aufgebauter und sogrsam gehegter, sich auf musikalische, kulturpolitische, menschliche, religiöse und pä-dagogische Felder verteilender Superstar-Status macht ihn nahezu unantastbar. Die von soviel Glanz geblendeten Berliner Kulturpolitiker sahen lange Zeit untätig zu, wie sich Intendant und GMD über den Wirtschaftsplan der Lindenoper zerfleischten – und dabei das baufällige Haus und seinen Ruf noch mehr beschädigten, als es ohnehin bereits ist. Nun musste Mussbach gehen. Zugegeben, er hat sich in den 5 Jahren seiner Intendanzzeit nicht mit Ruhm bekleckert. Er war zu konfus, zu arrogant, zu wenig kommunikativ. Ungeliebt beim Publikum waren seine eige-nen, privat-obsessiven Inszenierungen. Seine Uraufführungen und zeitgenössischen Produk-tionen von Toru Takemitsu und Hans Zen-er, Pascal Dusapin und von Hans Werner Henze schreckten einen Großteil des Publikums ab. Wenig befriedigend war auch ansonsten seine Premierenbilanz zwischen Glamour-Dilettantismus à la Doris Dörrie (sie inszenierte Cosi fan tute und Turandot) und Science Fiction-Oper à la Bernd Eichinger, der einen arg cineasti-schen Parsifal inszenierte. Man muß es so sagen: Die Staatsoper Unter den Linden ist seit 1992 uneingeschränktes, politisch abgesegnetes Daniel Barenboim-Land. Peter Mussbach hatte (wie schon sein Vorgänger im Amt, Georg Quander, den Barenboim auch aus dem Amt mobbte) nicht viel Spielraum im Reiche dieses absolutistischen Herrschers. Aber durch die wechselseitigen Be-schuldigungen und Beleidigungen der beiden mimosenhaften Operngranden war freilich auch deutlich geworden, wie wenig sich der allmächtige Barenboim um die traditionsreiche Institu-tion der Lindenoper in ihrer Gesamtheit kümmert. Für ihn, den Weltstar, war die Staatsoper Unter den Linden immer nur Behausung der von ihm - in einer Stadt mit sieben Orchestern - wieder hochgezüchteten Staatskapelle samt angeschlossenem Musiktheater. Während die Zahl der Opernvorstellungen kontinuierlich abnimmt, gastiert die Staatskapelle unter Baren-boim in aller Welt mit den immer gleichen sinfonischen (Beethoven-, Brahms- und Bruckner-Programmen. - Der Schaden ist kaum wieder gut zu machen, denn Musbach hat nicht nur die Jahrespresse-konferenz für die nächste Saison kurzerhand abgesagt, sondern auch eine Reihe von Premie-ren mit Kooperationsverträgen anderer Häuser. Die Koproduzenten in Brüssel und Aix haben das Nachsehen. Die Staatsoper Unter den Linden ist kaum mehr geschäftsfähig. Peter Muss-bach erhält eine Abfindung für mehrfachen Regieverzicht; allein zwei Inszenierungen (eine mit ihm als Librettist) waren für 2008/09 geplant. Die Zukunft der führungslosen Staatsoper ist indessen völlig ungewiss. Was die nächste und die übernächste Spielzeit bringt, weiss man ebensowenig wie die Antwort auf die Frage, wer der neue Intendant von Barenboims Gna-den werden wird. Sicher ist derzeit nur, dass das marode, sanierungsbedürftige Haus von 2010 an für dreieinhalb Jahre geschlossen wird. Als Ausweichquartier während der Renovie-rung wird das ehemalige Berliner Schillertheater für einen zweistelligen Millionenbetrag hergerichtet. Alles Weitere steht in den Sternen.
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