| Dieter
David Scholz
Ein deutsches Missverständnis. Richard Wagner zwischen Barrikade und Walhalla.
381 S., Parthas Verlag 1997
Rezension
aus: "FonoForum"
5/98, S. 19
Essayistisches Fazit der Wagnerforschung
Noch ein Buch über Richard Wagner? Warum nicht, wenn ein Autor
neue Gedanken zum Thema hat oder aber das, was von anderen dazu geschrieben
wurde, in einer knappen und übersichtlichen Form zusammenfassen kann. Fono
Forum-Autor Dieter David Scholz ist genau das gelungen
Scholz hat seine Ansichten vor einiger Zeit in einer mehrteiligen Sendereihe
dargelegt, die in mehreren Hör-funkreihen erfolgreich lief. Wer diese Sendungen
gehört hat, wird es begrüßen, das Manuskript jetzt in aller Ruhe noch einmal
nachlesen zu können. Aus einem guten Funkmanuskript wird freilich nicht
automatisch ein gutes Buch. Die radiophone Vermittlung folgt ihren eigenen
Gesetzen, da der Text immer einen auf die Mu-sikbeispiele hinleitenden Charakter
hat. Beim Lesen fehlt die sinnliche Wahrnehmung der Musik völlig, die
Aufmerksamkeit konzentriert sich auf die gedankliche und sprachliche Ausformung
und die wissenschaftliche Gründlichkeit. Daß Scholz darauf verzichtet hat, den
Text durch Fußnoten und Anmerkungen zu zerhacken, werden ihm die meisten Leser
danken. Daß bei den zahlreichen Zitaten die Quellenangaben fehlen, ist
aller-dings schon fragwürdiger.
Keine weitere Paraphrase über Wagners Leben und Werk will diese Publikation
sein, doch Scholz kommt natürlich nicht umhin, den Lebensweg des Meisters in
seinem historischen Kontext nachzuzeichnen., wobei ihm insbesondere die
Tagebücher Cosimas wertvolles Material liefern. Der Autor nimmt Wagners Werk
gleichermaßen gegen seine Anhänger wie seine Gegner in Schutz und bemüht sich in
unverkrampften Werk-deutungen dem Hörer von heute ein von ideologischem Ballast
freies Wagnerbild zu vermitteln. Darüber-hinaus greift er einige Reizthemen auf,
wie Wagners Antisemitismus, den Wagnerkult seiner Gemeinde und den
Wagner-Kommerz im heutigen Bayreuth.
"Ein essayistisches Fazit der bisherigen Wagnerforschung" (Scholz) will
das Buch sein, nicht mehr und nicht weniger ist es geworden, flott und mithin
gut lesbar geschrieben.. Allerdings dürfte es sich auf dem an Wag-neriteratur
übersättigten Markt erst in einer handlichen Taschenbuchausgabe durchsetzen.
Ekkehard Pluta

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