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Dieter David Scholz
______________________________________________________________________ Der Countertenor
Bejun Mehta Bereits als Kind konnte der aus North Carolina (USA) stammende Sänger Bejun Mehta bei-spielslose Erfolge als Knabensopran feiern. Diese erste Karriere endete mit der Pubertät. Mit seinem Operndebut an der New Yorker City Opera 1998 kehrte er in Händels Oper Par-thenope als Countertenor auf die Bühne zurück. Inzwischen gehört er weltweit zu den ge-fragtesten Sängern seines Fachs. Im November erscheint seine erste Recital-CD mit Händel-Arien unter Leitung von René Jacobs. - Ein Gespräch mit Bejun Mehta: Bejun Mehta, der heute 42-Jährige, hat eigentlich erst spät seine Berufung zum Countertenor erkannt, auch wenn er bereits auf eine große Karriere als Knabensopran zurückschauen kann. "Ich habe schon als ganz kleines Kind gesungen. Ich musste einfach immer schon singen. Ich kann mich gar nicht an eine Zeit erinnern, in der ich nicht gesungen habe." Mit dem Stimmbruch änderte sich das. Er hörte auf zu singen und studierte: "Deutsche Philologie." Kein Wunder, dass er so gut deutsch spricht. "Meine Eltern können deutsch, sie haben zehn Jahre lang in Wien gewohnt, also die deutsche Sprache habe ich schon in meinem Elternhaus gelernt." Bejun Mehtas Vater war Pianist, seine Mutter eine Sängerin. Bejun ist der Cousin des Dirigenten Zubin Mehta. Eine durch und durch musikalische Familie. Nach seinem Studium hat Bejun Mehta wieder mit dem Singen angefangen. Aber nicht etwas als Countertenor. "Ich hab angefangen, Bariton zu singen. Was ich gar nicht bin. Ich habe 5 Jahre verloren bei dem Versuch, ein Bariton zu werden. Das war keine schöne Zeit." Angeregt durch einen Artikel über den Countertenor David Daniels – der einen ähnlichen Lebenslauf hatte wie er - beschloss Bejun Mehta, Countertenor zu werden. Nach eigenen Stimmversuchen und Experimenten ließ er sich am Curtis Institute von Joane Patenaude-Yarnell, die er noch heute regelmäßig besucht, systematisch ausbilden. Die große Marilyn Horne, eine der Pinierinnen der Reanimierung des Barockgesangs, hatte ihn dazu ermuntert. "Ich habe ihr vorgesungen, und das war der Anfang meiner Karriere als Countertenor. Durch sie habe ich einen Agenten gefunden und meinen ersten großen Job. An der New York City Opera wurde ich engagiert in Händels " Parthenope". Dann folgte eine Partie nach der anderen. Bejun Mehta hat mit nahezu allen großen Interpre-ten alter Musik zusammengearbeitet. Dass er René Jacobs kennen lernte, empfindet er als besonderen Glücksfall: "Absolut! Und das war vor fast 2 Jahren. Wir haben "Belsazhar" gemacht. Diese Zusammen-arbeit war natürlich ein entscheidender Punkt in meine Karriere. Wir haben einander gesucht und gefunden. Für mich war das, als ob ich meinen musikalischen Vater gefunden hätte." Bejun Mehta hat sich übrigens nie an Countertenor-Vorbildern orientiert. Seine musikalischen Idole sind ganz andere Musiker: "Ja, es sind Dirigenten. Also René ist einer von ihnen, weil er so ein phantastischer Musiker ist, Leonard Bernstein ist auch so ein Idol, weil er eine so große Freiheit in und mit der Musik finden konnte. Ich schätze ganz besonders die Musiker, die die "Boundaries" ein bisschen weg und weiterschieben." Wer weiß, was noch kommt. Einstweilen ist der smarte Countertenor jedenfalls als Händel-sänger am Gefragtesten. "Natürlich singe ich jedes Jahr mindestens eine Händel-Partie. Händel steht im Mittelpunkt meiner Auftritte in der Oper. Aber wenn ich Liederabende singe und Konzerte, dann singe ich fast gar keinen Händel, sondern romantische Lieder und zeitgenössische Sachen." Bejun Mehta ist ein vielseitiger Sänger, auch wenn er den größten Erfolg in Kastratenpartien von Händel, Vivaldi, Gluck und Mozart verzeichnet. Aber er läßt sich sich nicht gern in eine Schublade stecken: "Ich bin kein Barockwesen! Es gibt so viele Vorurteile und Missverständnisse bezüglich der Countertenöre, die als Kastratenersatz singen, aber ich finde, wir Counter sind einfach nur Sänger, so wie Soprane oder Baritone." Derzeit schreibt der Komponist George Benjamin eine neue Oper mit einer Hauptrolle für ihn, die 2012/2013 beim Festival in Aix-en-Provence herauskommt, und dann in den Niederlan-den, in Toulouse, an der Mailänder Scala und in Covent Garden zu sehen sein wird. Seine nächsten Opernpläne sind die "Antigona" von Traetta mit Rene Jacobs in Berlin und Händels "Rodelinda" mit Harnoncourt im Theater an der Wien. – Doch im November wird er zunächst in einem Konzert ebendort seine erste Rezital-CD beim Label Harmonia Mundi – „Ombra cara“ vorstellen. "Ich kann ehrlich sagen, dass das Programm der CD ganz und gar dem entspricht, was ich singend mitteilen will. Ich wollte ein Programm zusammenstellen, das fast alle Ausdrucks-Fa-cetten Händels enthält und mit dem ich zeigen kann, wie ich damit singend umgehen kann." George Frideric
Handel: Ombra Cara. Opera Arias.
Beitrag für MDR Figaro, 16.10.2010
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