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Dieter David Scholz
CD- Tip
Meckern ist wichtig – nett sein kann
jeder Songs, Schlager und Chansons von Robert Gilbert Ob in den Zwanziger- und Dreißigerjahren, in den Fünfzigern oder heute: Gerade wenn die Zeiten unruhig sind, wenn Finanzkrisen, wirtschaftliche und politische Probleme den Alltag beherrschen, gerade dann sind wache, unerschrockene, freche Bänkelsänger, Satiriker, Schlagermacher gefragt. Robert Gilbert war so einer. "Gehst Du mit nach Honolulu, geh ich auch nach Honolulu. Gehst Du nicht nach Honolulu, bleib zuhause ... " Es war 1928, als Robert Gilbert diesen absurden Schlager für Max Hansen schrieb. Die Zahl der Arbeitslosen ging in die Millionen, die Weltwirtschaftskrise ließ die sogenannten Goldenen Zwanzigerjahre platzen wie eine Seifenblase. Robert Gilbert setzte mit seinen Schlagern etwas dagegen: Nonsense, Satire, Humor und klare Worte. Er verspottete, machte sich lustig, lullte ein und klagte an. "Das Geld ist an sich nicht sympathisch, sie beuten so ungerne aus, sie fühlen durchaus demokratisch, und reden von Freiheit zuhaus. Und fällt ihnen wirklich die Not auf, dann legen sie gern etwas Rot auf, und schreie: Reform, die Not ist enorm ..." Ob für Ernst Busch oder Theo Lingen, Claire Waldoff oder Hildegard Knef: Mit seinen Schlagertexten schrieb Robert Gilbert, der eigentlich Robert David Winterfeld hieß, in der Weimarer Republik, in den frühen Dreißigerjahren und dann wieder nach 1945 singbare Rezepte gegen Krisen: beschwingte, aber irritierende Provokationen eines Optimismus, dem nicht zu trauen ist. "Und darin sind wir einig, die Wege sind so steinig, doch stolz in der Brust, sieges-bewusst, dann wird die Sache schon gehen: uns kann keiner“ (Käthe von Nagy) Hans Eisler, Ralph Benatzky, Werner Heymann, Mischa Spoliansky und andere vertonten die Texte von Robert Gilbert, wenn er sie nicht selbst in Musik setzte. Er war ein wahres Multitalent, schrieb Operetten, Theaterstücke, Drehbücher, Kabarett-Texte, Chansons und Schlager – auch für den Film. Und selbst so populäre Filmgrößen wie Hans Albers gaben sie zum Besten. "Heut muss ein Mann seinen Mann stehen. Wenn er was will und was kann. Heut darfst Du hinten nicht anstehen, Sonst kommst Du vorne nicht ran. Zeig, dass Du auch auf der Welt bist, Nur immer ran an den Speck " Die Unterhaltungsindustrie boomt immer dann, wenn die Zeiten schlecht sind. Doch es gab Zeiten, da war die Unterhaltungsmusik um so besser, je schlechter die Zeiten. Weil sie intel-ligent war und zur Sprache brachte, was Sache war. Mit Pfiff und Schwung, Witz und Frech-heit. Robert Gilbert beweist es. "In Hamburg und Lübeck und Bremen sind die Zeiten nicht immer so gut. Doch man läßt sich die Freude nicht nehmen, wenn die Ebbe auch hier ist in der Kasse, dafür ist in der Liebe fast andauernd Flut." (Heinz Reincke) Ob Börsencrash, Inflation, Währungsreform oder Schuldenberge, Ärger in Irland oder Angst in Griechenland... Musik für alle Krisensituationen, „einer unruhigen Zeit auf den Leib ge-schrieben“, Songs, Schlager und Chansons, die heuet so aktuell sind wie damals. Volker Kühn, der diese Doppel-CD zusammenstellte, hat recht: „Meckern ist wichtig – nett sein kann jeder!“ * MDR
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