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Dieter David Scholz
Buch/CD-Rezension Leitfaden durch die historischen Musikinstrumente RIC 100CD. RICERCAR 8CD-BOX + + 200 Seiten Buch.
Vertrieb: Note 1 Wie klingt ein Stiller Zink oder eine Musette de cour? Was ist der klangliche Unterschied zwischen einem Spinett und einem Clavichord? Fragen, die uns ein Musiklexikon meist nur unzureichend beantwortet, da es in der Regel keine Klangbeispiele für solche alten Instru-mente bereithält. Ein neuer, 200-seitiger Instrumentenführer, hält neben Beschreibungen und Abbildungen der Instrumente auch CDs mit Tonbeispielen bereit.
Was ist eine Glasharmonika? Und wie klingt eine Glasharmonika? Antwort auf die erste Frage kann ein Musikinstrumentenlexikon – wenn es denn historische Instrumente mit ein-bezieht, geben. Die zweite Frage blieb meist unbeantwortet. Bisher jedenfalls. Nun ist beim Label Ricercar ein „Leitfaden“ durch die Welt der historischen Instrumente erschienen, der auf 8 beigefügten CDs für jedes der beschriebenen Instrumente mindestens ein Tonbeispiel bereithält. Die Präsenz historischer Instrumente in unserer Zeit – die geprägt ist von den Erfahrungen und Ergebnissen der sogenannten „Historischen Aufführungspraxis“ - ist ein so ausgeprägtes Phänomen im allgemeinen Musikleben, dass es dringend notwendig scheint, ihm die Auf-merksamkeit zu schenken, die es verdient. Dieser Bedarf wurde bislang sowohl von den Buchverlagen als auch von den CD-Labels ignoriert. Mit dem nun erschienenen Leitfaden durch die historischen Instrumente des Labels RICERCAR ist eine Lücke geschlossen worden. Viele Instrumentenführer, gerade was die alten Instrumente angeht, waren bisher zu akademisch, nur für Spezialisten und ausübende Musiker von Nutzen. Das ist anders bei dem nun vorgelegten. Er ist dreisprachig, deutsch, englisch, französisch, verzichtet weitgehend auf musikwissenschaftliche Darstellung, bietet aber stattdessen sehr anschauliche Beschreibungen und Charakterisierungen in Wort, Bild und eben im Ton. Er ist historisch und systematisch gegliedert nach Epochen und Instrumentenarten. Photomaterial und Abbildungen sind hervorragend. Und im Anhang ist ein Verzeichnis der „musikalischen Illustrationen“, wie die Tonbeispiele in dem Buch genannt werden. Sie ist chronologisch angeordneten, also vom ältesten bis zum jüngsten der behandelten Instrumente. Eines der ältesten ist übrigens der mittelalterliche Clari, eine Art Schalmey, ein Volksmusikinstrument der Pyrenäen.
Ob Trumscheit (auch Marientrompete genannt) oder Erzlaute, Rauchpfeife oder Gemshorn, Serpent oder Rankett. Man möchte doch wissen, ob diese Instrumente genauso exotisch klingen, wie sie aussehen. Nicht Jeder hat ein Musikinstrumentenmuseum vor der Haustür. Und selbst dort kann man sich meist nur einen dreidimensionalen, aber selten auch einen akustischen Eindruck des Instruments verschaffen. Der interessierte Musikliebhaber möchte aber gerade bei den nicht mehr so geläufigen Instrumenten der Renaissance und des Barock wissen, wie sie geklungen haben, zumal manche von ihnen selbst von Spezialensembles nur selten eingesetzt werden, wie beispielsweise die Pochette, eine schmale, kleine Geige mit ganz engem Resonanzkasten, man konnte sie in die Tasche stecken, „la poche“, die Tasche. Wes-halb sie bei Tanzmeistern sehr beliebt war.
Wer sich für Alte Musik und ihre Instrumente interessiert, für den ist das Buch von Ricercar mitsamt der acht CDs musikalischer Illustrationen beinahe unverzichtbar. Man kann in einem dreisprachigen Index schnell das Instrument finden, über das man sich informieren möchte oder gezielt nachschlagen. Man kann aber auch nur so darin blättern, schnüffeln oder sich treiben lassen, von Instrument zu Instrument, durch akustische Panoramen vom Mittelalter, über die Renaissance und die Barockzeit bis hin zur Frühromantik. Ein sinnliches, für Jeden leicht lesbares und klingendes Kompendium der alten Musikinstru-mente ist dieses Buch. Man wüsste nur gerne, wer es mit so großem Sachverstand und Liebe zum Detail verfasst und konzipiert hat. Doch kein Name wird genannt. Der Autor bleibt Geheimnis. Nun ja, das entspricht der Geringschätzung vieler CD-Labels für ihre Booklet-Autoren, die meist schlecht behandelt werden. Bei den Tonbeispielen schöpft das Label Ricercar natürlich aus dem reichen Fundus seiner Aufnahmen alter Musik mit den unterschiedlichsten Ensembles und Solisten. Aber es gibt auch Neueinspielungen, die eigens für diese Publikation aufgenommen wurden. Man kann diesen multimedialen literarisch, pho-tographisch wie akustischen Leitfaden durch eine Fülle alter Instrumente, es sind an die 90, jedem Freund alter Musik und historisch informierter Aufführungspraxis nur wärmstens empfehlen.
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