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Dieter David Scholz
Sonderausstellung im Berliner Musikinstrumentenmuseum Die Dame
mit dem Cembalo.
Wanda Landowska war die erste Cembalistin, die sich zusammen mit ihrem Instrument quasi als Marke im Konzertleben und auf der Schallplatte weltweit etablierte. Sie leistete für die Renaissance dieses Instruments Pionierarbeit und wurde schon zu Lebzeiten Legende und Mythos zugleich. Vor 100 Jahren ist ihr Schule machen Buch über „Alte Musik“ erschienen. Vor 50 Jahren starb die Cembalistin im US-amerikanischen Lakevill, Connecticut. Ein Doppel-ter Anlass für das Berliner Musikinstrumentenmuseum bzw. das Staatliche Institut für Musik-forschung Preussischer Kulturbesitz, eine Ausstellung anzuberaumen. Der Titel:: „Die Dame mit dem Cembalo. Wanda Landowska und die Alte Musik“. Die Ausstellung wurde am 13. November eröffnet und dauert noch bis zum 28. Februar 2010.
Als Hohepriesterin des Cembalos machte sie Musikgeschichte: Wanda Landowska, die vor 130 Jahren in Warschau geboren wurde, in Berlin und Paris lebte und lehrte, bevor sie 1940 vor den Nazis in die USA floh, wo sie bis zu ihrem Tod 1959 von vielen als unangefochtene Autorität in Sachen Cembalo verehrt wurde. Sie spielte mit Furtwängler, Pablo Casals und und Yehudi Menuhin, war befreundet mit Leo Tolstoi, Albert Schweitzer und Rainer Maria Rilke. Und manche ihrer vielen Schüler wie Clifford Curzon oder Ralph Kirkpatrick wurden berühmte Pianisten bzw. Cembalisten. Der Kurator der Berliner Ausstellung, Martin Elste: "Ohne Wanda Landowska würde es sicher kaum Cembalisten geben. Es ist zwar so, dass das Cembalo auch vor Landowska wieder gespielt wurde, aber sie war die erste Künstlerin, und ist wahrscheinlich auch die einzige Cembalistin geblieben, die eine enorme Aura entwickeln konnte und die fast eine Art Mythos geworden ist." Wanda Landowska wurde als „Dame mit dem Cembalo“ ein Begriff. Und sie spielte immer nur auf einem Instrument, nämlich einem Pleyelschen Cembalo, also einem von dem berühm-ten Pariser Instrumentenbauer modern konstruierten Instrument. Eines davon befindet sich im Berliner Musikinstrumentenmuseum. Martin Elste: "Weil für Wanda Landowska das Cembalo dem normalen Klavier, dem Hammerflügel, insofern überlegen war, als man auf dem Cembalo die ganz reiche Klangfarbenpalette des Orchesters, die Flötentöne, die Oboentöne, die Schalmei, den Dudelsack, und die Streicher u.s.w. nach-ahmen konnte, was man auf dem Klavier mit einer Tastatur und nur einem Register nicht machen kann, aber was man auf dem Cembalo mit mehreren Registern - und für Sie war das Cembalo immer ein Instrument mit mehreren Registern und zwei Klaviaturen - relativ problemlos machen konnte."
"Das Instrument, was wir in unserer Sammlung, im Berliner Musikinstrumentenmuseum haben, ist nicht das Instrument, das Wanda Landowska gespielt hat, aber es ist eines von den ungefähr 170 Instrumenten, die von Pleyel gebaut wurden nach den Vorgaben von Wanda Landowska. Und da gab es zwei Typen. Ein Modell mit 6 Pedalen, und ein Modell mit 7 Pedalen. Wir haben das große Modell mit den 7 Pedalen. Das ist uns geschenkt worden von einer Kon-kurrentin von Wanda Landowska, von Madame Margarete Roesgen-Champion." Der Klang des Pleyel-Instruments ist sehr resonanzarm, also sehr trocken. Fast klingt das Instrument elektronisch verfremdet für heutige Ohren. Und es ist gar nicht so einfach, Musi-ker zu finden, die auf einem solchen Cembalo spielen können, das bei den Cembalisten der historisierenden Aufführungspraxis geradezu verpönt ist. Einer der es spielen kann ist der bra-silianische, am Pariser Conservatoire ausgebildete Cembalist Ilton Wjuniski, der selbst ein Pleyel-Cembalo besitzt und mit den Schriften von Wanda Landowska bestens vertraut ist. Über sie hat er im die Ausstellung eröffnenden, internationalen Symposion einen Vortrag gehalten und ist auch einer der Pianisten der Konzerte des Rahmenprogramms. Er betont die große Bedeutung Wanda Landowska als Pionierin der Alten Musik: "Sie bedeutet für uns sehr viel: Ohne sie wären wir wahrscheinlich nicht da, oder die Entwicklung würde ganz anders verlaufen sein. Sie wurde schon zu ihrer Lebenszeit scharf kritisiert, weil sie einen sehr eigenen Weg eingeschlagen hatte, aber sie wusste, was sie wollte und ging geradeaus. "
Die Berliner Ausstellung – die erste ihrer Art weltweit - versucht vor allem zu zeigen, wie sehr die Verbindung zwischen Mensch und Instrument, also zwischen Wanda Landowska und dem Cembalo dazu geführt hat, dass man von einer Marke sprechen kann, der Marke Lan-dowska. Die Ausstellung veranschaulicht aber auch, wie diese Marke Wanda Landowska und das Pleyel-Cembalo kreiert wurde und welche Auswirkungen sie hatte. Der Ausstel-lungsbesucher kann viele Dokumenten und Preziosen in Augenschein nehmen, die bisher als verschollen galten, die sich aber im Nachlass von Wanda Landowska und ihrer langjährigen Vertrauten befunden haben und nun seit 5 Jahren in der Library of Congress aufbewahrt werden. "In den Räumen sind natürlich Instrumente zu sehen, da sind Devotionalien zu sehen, beispiels-weise was ganz Wichtiges, man glaubt nicht wie wichtig das ist, aber das sind ihre Samtschläppchen, denn die Samtschläppchen, die man fast nie gesehen hat, weil sie ganz lange Kleider trug, sind die eigentliche Schnittstelle zwischen dem Menschen und der Maschine unterhalb der Gürtellinie." Oberhalb der Gürtellinie hat Wanda Landowska mit den Händen gearbeitet. Sie war eine Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt profilierte durch Musikalität, Virtuo-sität und Bildung, aber auch durch Zielstrebigkeit und Provokation. Sie wurde zu „Grande Dame du Clavecin“, zur „High Priestess of the Harpsichord“, zur „Dame mit dem Cembalo“ eben. Die assoziationsreiche Ausstellung dokumentiert das. Sie ist keine Lese-, eher eine visuelle Ausstellung, zu der es einen hervorragenden Audioguide gibt, der hörbuchartig durch die Sammlung führt, die Exponate erläutert und bisher unveröffentlichte Originaltexte von Wanda Landowska offeriert. Eine lohnenswerte Ausstellung zum Sehen und zum Hören. SWR, MDR ...
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