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Dieter David Scholz
Restaurantkritik & -Empfehlung Kornhaus Dessau
Internet: www.kornhaus.de
Unmittelbar am Ufer der stark strömenden Elbe gelegen, umgeben von Deichen und baum-bestandenen Elbauen wirkt das Kornhaus wie ein idyllisch gelegener Fremdkörper am Ende der auf den Fluß zulaufenden Straße des kleinbürgerlichen Dessauer Vororts. Es ist ein weißer, avantgardistischer Rundbau auf einem Sockel, eine großzügige Rotunde im strengen, klaren Bauhausstil, ein Aussichts-Pavillon, der genauso am Ostsee-Strand stehen könnte, gebaut 1929 von einem Schüler von Walter Gropius, der Eminenz des des Bauhaus-Ateliers zu Dessau, von dem Architekten Carl Flieger. Wenn man eintritt, schallt einem dezente Musik der Zwanzigerjahre, auch Jazz entgegen. Das Ambiente ist ebenfalls authentisch. Mit viel Geschmack hat Ulrich Heilmann, der heutige, aus dem Fränkischen stammende Besitzer des Restaurants Tapeten, Bilder, Vasen, Teppiche, Aschenbecher, Kerzenleuchter, Weinkühler, Salz- und Pfefferstreuer, einfach alles an festem und beweglichem Interieur dem Bauhausdesign verpflichtet, das man es im nicht allzu weit entfernte Bauhaus-Museum ausgiebig studieren kann. Das mitten im "Biosphären-Reservat Mittlere Elbe" gelegene Kornhaus – seit dem achtzehnten Jahrhundert stand an seiner Stelle eine Schankwirtschaft - ist in seiner heutigen, 1994 sanierten und rekonstruierten Gestalt An-ziehungspunkt für angereiste Architekturinteressierte wie Ortsansässige. Nicht nur Bauhaus-Touristen will Ulrich Heilmann bewirten, der das Restaurant seit 1996 bewirtschaftet, sondern auch die Dessauer. Er hat zuvor in verschiedenen Hotels in Hamburg Köln, Düsseldorf und Frankfurt gearbeite, zuletzt im Steigenberger Fürst Leopold Hotel in Dessau. Ob Bauhaus-Touristen oder eingesessene Dessauer Kundschaft, ob Radfahrer oder Spazier-gänger, die an sonnigen Tagen den Elbblick auf der großen Freiterrasse genießen wollen: Uwe Heilmann setzt vor allem auf Regionales. Anhaltinischer Rosinenbraten vom Schwein in Malz-biersauße, Köthener Kasslerschnitzel mit Birnen gefüllt oder Reisbrei mit Bratwurscht und sogar Jausenteller oder Bratkartoffeln mit Spiegelei stehen auf der Karte, die aber auch Lachs-pralinen auf mariniertem Ruccola, Barbarie-Entenbrust auf Orangensauce, schließlich eine Fischkomposition auf Wirsinggemüse verzeichnet. So reizvoll auch die "Location", so enttäuschend ist die Küche. Nach mehrmaligem Besuch kann vom Verzehr der kulinarischen Offenbarungen nur abgeraten werden. Sie überschreiten in jeder Hinsicht das Maß des Zumutbaren. Der zahlende Kunde kommt schließlich mit einigen Erwartungen in dieses Restaurant. Welche Ernüchterung bei lauwarmer, unfassbar wässriger Geflügelbrühe ohne jeden Geschmack, mit hartem, offenbar frisch aus der Tiefkühltruhe eingestreutem Fertigsuppengemüse und Griesnocken, mit denen man Billard spielen könnte. Das angeblich mit Bärlauch gefüllte, trockene Schweinefilet ohne alle Eigenschaften und die abgestandenen Salzkartoffeln, über die lieblos einige rohe Rosmarinnadeln geworfen wurden (was als Rosmarinkartoffeln angepriesen wurde) zu gehackten, lauwarm-rohen Tomaten werde ich nicht vergessen! Da rettet auch der bemühte Service der nicht eben sonderlich motivierten wie professionellen jungen Bedienungen des Hauses nichts mehr. Was Wunder, daß die Des-sauer samstagsabends eher das "Poseidon" am Rande der Stadt stürmen. Schade!
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