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Dieter David Scholz
Buchrezension
Wagner-Witwe mit Festspiel-Fortüne Mit dem „Parsifal“ und Richard Wagners Tod begann die Erfolgsgeschichte Bayreuths. Es war Cosima, die Wagnerwitwe, die die Bayreuther Festspiele, die Wagner nach der Urauf-führung des „Rings“ für gescheitert hielt, und die acht Jahre später mit dem Parsifal wieder aufgenommen wurden, in ein fluktuierendes Unternehmen verwandelte, das Gewinn abwarf und in den gesellschaftlichen Mittelpunkt rückte. Man kann ihr gewiss viel vorwerfen. Aber man muß zugeben, dass Cosima, die Wagner um mehr als 40 Jahre überlebte, am Grünen Hügel mehr als 30 Jahre lang Erfolgsgeschichte geschrieben hat, wenn auch nicht eben im Geiste Richard Wagners: „Auf unserem Hügel ist nun die feste Burg. In diesem Gottes-Haus sind alle berufen, die nur wahrhaftig und notgedrungen sind.“ Diese Äußerung Cosimas ist vor allem das Dokument einer Religionsgründung in Bayreuth, einer Religion, die sie gegründet hat und als deren Hohepriesterin sie sich empfand. Wie es dazu kam, schildert Oliver Hilmes in seiner Biographie, die zu einem Gutteil auch eine Wag-nerbiographie ist, sehr detailliert. Nach Alma Mahler, der „Witwe in Wahn“, hat sich der stabreimlüsterne Autor nun der „Herrin des Hügels“ zugewandt. Das Ergebnis ist eine außer-ordentlich fundierte, gut lesbar (wenn auch nicht gerade animierend) geschriebene und her-vorragend recherchierte, sich ganz auf Quellen stützende, absolut sachliche Biographie der zweiten Wagner-Gattin. Cosima schrieb Ideologie- und Gesellschaftsgeschichte. Hilmes macht das verständlich, indem er den psychologischen, weltanschaulichen und biographischen Dispositionen der problematischen Persönlichkeit Cosimas nachgeht. Auf der Grundlage eines etwas breit angelegten Psychogramms schildert er ungeschminkt die unterwürfige Ehe-frauenrolle und den pathetischen Tempeldienst der Liszt-Tochter, deren Wagnerkult nach Wagners Tod Bayreuth zum Brennpunkt deutschnationalen (antisemitischen) Denkens machte und zur Voraussetzung Hitlerscher Wagner-Vereinnahmung und –Verfälschung wurde. Man hätte sich zwar etwas mehr psychologische und sprachliche Zuspitzung des Textes ge-wünscht. Es fehlt ihm an Attraktivität und Spannung, das Buch liest sich dröge. Aber dafür wartet Hilmes mit einer ersten umfangreichen Cosima-Biographie auf, die ganz aus dem Geist wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit Wagners zweiter Gattin geschrieben ist, fern aller Anbetung, Verklärung oder Idealisierung, was fast allen bisherigen Cosima-Biographien vor-zuwerfen ist. Insofern darf das Buch zweifellos als künftiges Standardwerk in Sachen Cosima gelten.
Oliver Hilmes. Herrin des Hügels. Das Leben der Cosima Wagner. Siedler Verlag 2007. 494 S.; EUR 24,95
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