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Dieter David Scholz

Nachruf auf Jerry Hadley


Mit der Partie des Don Ferrando in Mozarts „Cosi fan tutte“ debütierte Jerry Hadley 1976, noch als Student, beim Lake Giorgia Festival. Kurz darauf engagierte ihn Beverly Sills an die New York City Opera. Dort sang er seine erste Partie, den Arturo in Donizettis „Lucia di Lammermoor“. Jerry Hadley sang fortan Mozart, Rossini, Puccini, Verdi, das Französische Fach und auch viel Moderne. Leonard Bernstein arbeitete viel und gern mit Jerry Hadley zu-sammen. Noch in Bernsteins später, vermächtnishafter Aufnahme des Musicals „Candide“ im Jahre 1989 sang Jerry Hadley die Titelpartie. Jerry Hadley wurde mit drei Grammys ausge-zeichnet. Er besaß eine warme,  lyrische, helle timbrierte Stimme, und war mit außer-gewöhnlicher schauspielerische Präsenz und fast tänzerischer Beweglichkeit begabt.

In den 80er Jahren gehörte Jerry Hadley zu den vielversprechendsten Opernstars in den USA. Neben seinem langjährigen Engagement bei der New York City Opera stand er in den führenden Opernhäusern der Welt auf der Bühne. Die großen Festivals rissen sich um ihn.  Unvergessen ist sein Tom Rakewell in Starwinskys „The Rake´s Progress“ bei den Salz-burger Festspielen.  Jerry Hadley hatte eine leichte, belkantisch geführte, lyrische Stimme.  Doch sie entwickelte sich bedauerlicherweise nicht weiter. Eine seiner letzten CDs trug den Titel: „The world is beautyful“.  Auf  dieser  CD singt Hadley ausschließlich Operettenarien.

Jerry Hadleys Karriere hat die Versprechungen ihres hoffnungsvollen Beginns nicht gehalten. Mehr und mehr glitt Jerry Hadley ins sogenannte „leichte Fach“ ab, obwohl es ihn  zu schwereren Partien wie dem Rigoletto-Herzog, dem Traviata-Alfredo und zu Offenbachs Hoffmann drängte. Das mag ihm arg zugesetzt haben. Mitte Juli war er mit einer Schuss-wunde im Kopf leblos in seinem Haus gefunden worden. Neben ihm lag ein Luftgewehr. Kollegen und Freunde berichteten der "New York Times" Hadley habe an schweren Depressionen gelitten und finanzielle und persönliche Probleme gehabt. Das Leben ist für einen Sänger, dessen Stern im Sinken begriffen ist, eben nicht nur „happyness indeed“ wie es in Bernsteins „Candide“ heißt. Zumal Jet-Set-Sänger wie  Jerry Hadley zu den singenden „global players“ gehörten, deren schwerste Kunst darin besteht, die gnadenlosen Gesetze des Musikmarktes zu beherrschen, will sagen, auf dem vorherrschenden System des Musikbetriebs dauerhaft erfolgreich zu surfen.  Nicht jedem gelingt das.  Der 55-Jährige erlag am 18.07. 2007 in einem Krankenhaus in der Nähe von New York seinen schweren Kopfverletzungen