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Dieter David Scholz
Ausstellung Glamour!
Das Girl wird Dame
Georg Kolbe war der wohl erfolgreichste deutsche Bildhauer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er starb im November 1947 in Berlin. Auf der Grundlage seines Testamentes wurde in seinem Berliner Atelierhaus 1950 das Georg-Kolbe-Museum eröffnet, dessen Sammlung einen Überblick über das bildhauerische und zeichnerische Schaffen des Künstlers gibt.
Immer wieder macht das Georg-Kolbe-Museum auf sich aufmerksame mit interessanten Ausstellungen. Die neuste trägt den Titel. „Glamour! Das Girl wird feine Dame“, und sie hat durchaus mit Musik zu tun. Die Ausstellung wurde am 17. Februar eröffnet und dauert noch bis zum 12. Mai.
Fritzy Massary: Ich bin eine Frau, die weiß, was sie will... Am 1. September 1932 erlebte Fritzy Massary im Berliner Metropoltheater ihren letzten Triumph in der Uraufführung von Oscar Straussens Operette „Eine Frau, die weiß, was sie will“. Dann kam die Machtergreifung Hitlers und die Massary floh, wie viele andere jüdische Künstler aus Nazi-Deutschland ins Exil und in eine ungewisse Zukunft. Fritzy Massary war, was der Titelschlager der Operette sagt: die Verkörperung einer selbstbewussten, glamou-rösen Frau, um nicht zu sagen einer Dame von Welt, und sei es nur der gehobenen Berliner Operettenwelt. Um genau diesen Frauentyp geht es in einer keineswegs kleinen, auf jeden Fall aber sehr feinen Ausstellung im Berliner Georg-Kolbe-Museum, um einen Frauentyp, der ganz neu war zu jener Zeit. Er hatte sich Ende der Zwanzigerjahre entwickelt, wie Verena Dollenmaier erläutert, die Kuratorin der Ausstellung: "Es ist eben ganz auffällig, beispielsweise in den Modezeitschriften, dass ab 1928 sich der Stil gravierend ändert." Marlene Dietrich: Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt... Ob Marlene Dietrich oder Lilian Harvey, Greta Garbo oder Brigitte Helm, und von allen sind prachtvolle Starporträt-Photographien in der Ausstellung des Berliner Georg-Kolbe-Mu-seums zu sehen, sie alle verkörpern den neuen Typus von Frau, der sich Ende der Zwan-zigerjahre herausbildete und im Tonfilm, in der Operette, in der Revue und in der modernen Zeitoper, nicht zu vergessen, den Ton angab. "Und das Girl davor war eigentlich das wilde Girl der Zwanzigerjahre." Charleston: Happy Feet (Paul Whiteman & His Orchestra) 1930 Der Charleston war der Modetanz der Zwanzigerjahre. Die Damenmode ließ entsprechend viel Freiraum für die doch recht heftigen Beinbewegungen dieses Tanzes. Dann, so gegen 1928, wurde alles plötzlich anders: "Die Kleider werden schmaler, die Taillen werden enger. Das, was vorher Kleider waren, in denen sich die Frauen gut und leicht bewegen konnte, wurde auf einmal sehr elegant, sehr schmal, sehr auf Figur geschnitten, eine neue Mode entstand, parallel dazu entwickelte sich in der Fotografie eben die Glamour-Fotografie, eine neuen Art von Fotografie, die viel stärker mit Licht und Schatten arbeitet, dazu parallel entwickelte sich in Hollywood im Film und parallel dazu eigentlich auch bei der UFA in Deutschland ein Frauenbild, das eben die mondäne, glamouröse Dame präsentiert." Die Drei von der Tankstelle: Lilian Harvey Lilian Harvey in der Tonfilmoperette „Die Drei von der Tankstelle“, ein Kassenschlager der UFA. "Also das Kino war absolutes Massenmedium, die Frauen sind zu Tausenden ins Kino geg-angen, die Schauspielerinnen waren wirklich die bewunderten Vorbilder für Make-Up, Ver-halten, Kleidung u.s.w…viele haben auch selber von einer Karriere beim Film geträumt." Die Sehnsucht nach Glanz beherrschte den Hollywoodfilm Anfang der Dreißigerjahre. Die Frau wurde darin zur Göttin erhoben. Jede Zuschauerin, egal ob Tippmamsell oder Hausfrau, wollte ein bisschen von diesem Glanz abbekommen. Die Ausstellung, die Verena Dollenmaier im Berliner Kolbemuseum klug und großzügig arrangierte, verdeutlicht diesen Wandel des Frauenbildes, der ja seine Spuren bis heute hinterlässt, sehr anschaulich mit Exponaten aus der Mode, der Filmbranche, der Bildenden Kunst und der Fotographie. "Und wir haben dann eben zwei große Bereiche, einmal Gesellschaft und einmal Sport, und dort zeigen wir eine ganze Reihe an Gemälden, beispielsweise von Tamara de Lempicka, von Christian Schad, von Leo von König, wir haben eine Reihe von Skulpturen, beispielsweise von Ernesto de Fiori, Constantin Starck und wir haben aus verschiedenen Medien, aus den verschiedenen Gattungen schöne Exponate zusammengetragen."
Fünf Jahre umfasst der Zeitraum der Ausstellung, eben jenen Zeitraum, der auch die Lebenszeit der Tonfilmoperette ausmachte. 1928 wurde sie geboren, zwei Jahre nach dem die Bilder sprechen lernten, eroberte sie die Kinos, 1933 wurde sie von den Nazis liquidiert. Was dann folgte war der Musikfilm der NS-Zeit und der Revuefilm. Auch der Frauentyp än-derte sich. Mutterschafts-Mythologie kam auf mit dem arischen Mädel und der biederen Hausfrau. Heimchen-Idylle korrespondierte mit anrüchigem Vamp, mit Starkult und Herrinnen-Attitüde. Und es änderte sich naturgemäß die Mode! Für alle, die an der Ge-schichte der Wandlung des Frauenbildes im 20. Jahrhundert - im Film wie im Musik-Theater - , aber auch für alle, die am Wandel der Mode interessiert sind, ist die Ausstellung im Berliner Georg-Kolbe-Museum außerordentlich sehenswert. Es gibt einen prächtigen Katalog. Und man wünschte sich eigentlich nur noch eine Fortsetzung der Ausstellung über die Frau in der Nazizeit, bis zu der in der Adenauerära, im Wirtschaftswunderland und danach. Zarah Leander: „Zieh dich an, schöne Frau, fordert Dein Gebot, immer neu, immer à la mode. Zieh Dich an, schöne Frau, gut, sie macht sich schön, und speziell, wenn sie weiss, für wen. Eine Frau von heut´ zieht ein schönes Kleid immer gerne an, doch g´rad so gerne zieht sie´s aus, denn das schönste Kleid, zu gegeb´ner Zeit wird es überflüssig oft und das sieht sie voraus... “ … Aus: "Eine Frau von heut´ "
Beitrag für SWR
„Glamour! Das Girl wird Dame“ im Berliner Georg-Kolbe Museum. Die Ausstellung ist geöffnet Di. – So. 10-17 Uhr, sie dauert noch bis zum 12. Mai. Der Katalog ist im E.A. Seemann Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro.
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