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Dieter David Scholz
CD-Tip in MDR Figaro, 7.09.2011 Ausgrabung der ersten australischen Oper Isaac
Nathan: Don John of Austria
Sydney gilt heute als eine der wichtigsten Kulturmetropolen der Welt, nicht zuletzt wegen des berühmten Sydney Opera House mit seiner spektakulären Architektur. Die Anfänge der Oper in Australien waren allerdings deutlich bescheidener und sind fast in Vergessenheit ge-raten. Jetzt ist der Dreiakter „Don John of Austria“ von Isaac Nathan, die erste Oper, die auf australischen Boden geschrieben und aufgeführt wurde, auf CD erschienen.
Was so klingt wie eine Mischung aus Lortzing, Weber und Nicolai ist Musik des nach Australien ausgewanderten britischen Komponisten Isaac Nathan. Er wurde um 1792, also kurz nach Mozarts Tod im englischen Canterbury geboren als Sohn eines jüdischen Kantors polnischer Herkunft, wurde ebenfalls zum Kantoren ausgebildet und schrieb vor allem hebrä-ische Melodien. Obwohl er Musiklehrer von Prinzessin Charlotte war und eng befreundet mit Lord Byron, was er gern an die große Glocke hängte, trieb ihn seine relative Erfolglosigkeit – die auch mit seinem streitbaren Wesen, das immer wieder für Skandale gesorgt haben soll dazu, 1841 nach Australien auszuwandern. Dort machte er Karriere als Musikgelehrter, er hat als erster die Musik der Aborigines transkribiert, als Konzertunternehmer und als Kom-ponist. Wobei das renommierte Nachschlagewerk MGG der Meinung ist: "In der Summe war Nathan mehr Selbstdarsteller als Musiker". Isaac Nathan hat seine Oper „ Don John of Austria“ 1847 komponiert. Wenn man bedenkt, dass zu diesem Zeitpunkt Richard Wagner bereits "Tannhäuser" und "Lohengrin" und Giuseppe Verdi "Nabucco" und "Macbetto" geschrieben haben, versteht man, dass das liebenswürdig launige Werk Nathans nach sechs Aufführungen vergessen wurde. Es hinkt seiner Zeit hinterher, gibt sich wie eine Spieloper des Biedermeier. Sprech- und Gesangs-rollen wechseln sich ab. Dialoge stehen neben Arien. Es gibt Chöre und Ensembles unter-schiedlicher Zusammensetzung. Alles sehr hübsch, sehr animiert, aber auch sehr konven-tionell. Wobei spanische Rhythmen, italienisch anmutendes Belcanto-Melos und britischer Oratorientonfall eine eigenwillige Symbiose eingehen. Im Mittelpunkt der Oper steht Ritter Johann von Österreich. Er war der außereheliche Sohn Kaiser Karls V. Dessen legitimer Sohn Philipp II. machte ihn zum Befehlshaber der spa-nischen Mittelmeerflotte. Dieser Don John of Austria, führte die Flotte der Heiligen Liga am 7. Oktober 1571 siegreich in der Seeschlacht von Lepanto gegen die Osmanen. Die Oper handelt aber nur am Rande von den historischen Vorgängen. Vor allem geht es um die amouröse Rivalität zwischen den Halbbrüdern Don John und Philip II. Beide begehren Donna Agnes. Ein klassischer Opernkonflikt zwischen Staatsräson und privater Liebe. Nicht frei von Eifersuchtsdramatik und Rührseligkeit. Aber die auskomponierten Emotionen halten sich in Grenzen. Das Libretto von Isaac Nathans Oper „ Don John of Austria“ hatte Jacob Levi Montefiore geschrieben. Unter Zugrundelegung eines Stücks des französischen Autors Casimir Delavigne (auf dessen Sizilianischer Vesper übrigens Verdis gleichnamige Oper basierte. Gordon Kalton Williams hat das weit ausholende Libretto für diese erste Einspielung der Oper gestrafft und vereinfacht. Der im vergangenen Jahr verstorbene, große australische Dirigent Charles Mackerras hat das Werk neu arrangiert, da die originale Orchestrierung verloren gegangen ist. Im Jahre 2007 wurde das Stück in Sydney konzertant aufgeführt. Mit jungen, durchweg überzeugenden Sängern, mit den Sydney Philharmonia Chamber Singers und mit den Sydney Symphony Orchestra unter Leitung von Alexander Briger. Der jetzt veröffentlichte Livemitschnitt dieser Ausgrabung hat Niveau und schließt – für alle Neugierigen - eine Lücke in der Diskothek der Opernwelt.
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