Dieter David Scholz 

Porträts/Nachrufe

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André Previn

Grenzgänger der Ersten Stunde

 André Previn zum Fünfundsiebzigsten

 

Er ist einer der vielseitigste Musiker, gleichermaßen zuhause im Jazz wie im Showbusiness, in Hollywood wie in der Oper und in den großen Konzerthäusern der Alten und neuen Welt. Am 6. April 2005 feiert er – wenn man den Geburtsdaten von Künstlern Glauben schenken darf - seinen 75. Geburtstag. 

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Ob "Rosenkavalier" oder "Cosi fan tutte", Jazz oder Kammermusik, André Previn ist ein Kosmopolit, der überall zuhause ist, musikalisch wie geographisch.  Als Pianist lanciert er zwischen  "Showboat" und Schumann, als Dirigent quer durch die Jahrhunderte, von Mozarts Klavierkonzerten bis zur Operette von Johann Strauss. Und er  bewegt sich mit traumwand-lerischer Sicherheit auf unterschiedlichstem Terrain

"Ich bin an vielen Sachen interessiert, musikalisch, und  solange man mich läßt, mache ich alles, und alles mit Liebe."

Und dazu gehörte von Anfang an der Jazz.

"Ja, es macht mir Freude, zu improvisieren. Ich mache es nicht so oft, ich produziere eine eine Jazz-CD pro Jahr, ansonsten bin ich vor allem als Dirigent, als Kammermusiker und als Kom-ponist beschäftigt."

Der in Berlin geborene Amerikaner ist ein Grenzgänger der ersten Stunde. Lange bevor der Begriff kreiert wurde, praktizierte er ganz selbstverständlich "Crossover".

"Crossover klingt immer etwas beleidigend, als ob es  sich um etwas handele, das nicht so ernst zu nehmen sei. Das stimmt nicht! und ich sorgen mich darum."  

1939 emigrierten die Elten André  Previns aus Berlin über Paris in die Vereinigten Staaten, André Previn war damals 10 Jahre alt. Ein Onkel leitete die Musikabteilung der Universal Filmstudios. Bei ihm kam die Familie Previn unter. Damals schon kam André mit der Welt des Hollywoodfilms und dessen Musik in Berührung. Als Teenager schrieb er erste eigene Filmmusiken, studierte während seiner Militärzeit in San Francisco Dirigieren und Kompo-sition und leitete Ende der Fünfzigerjahre das Studioorchester der Metro Goldwyn Meyer.

Anfang der Sechzigerjahre zog sich der Jazz-, Film- und Unterhaltungsmusiker aus dem Showbusines zurück und widmete sich vor allem der "Ernsten Musik". er wurde Chef des London Symphony Orchestra, für die EMI wurde er der europäische Herausforderer von Leonard Bernstein. Längst ist er einer der Großen unter den Spitzendirigenten. Zahlreiche Schallplattenaufnahmen hat er auf den Markt gebracht, 4 Oscars wurden ihm zugesprochen, mehrere goldene Schallplatten, er war mit der Schauspielerin Mia Farrow verheiratet,  erst jüngst ehelichte er die wesentlich jüngere Geigerin Anne Sofie Mutter (er könnte ihr Vater sein), mit der er viel zusammenarbeitete und inzwischen auch einige CDs produzierte:

"Für mich ist die Anne Sofie die größte Geigerin der Welt. Ich kenne  niemanden, der besser spielt, und deswegen ist es,  wenn ich mit ihr musiziere, ein besonderes Vergnügen."  

Mehr als nur Vergnügen ist für André Previn die Kammermusik:

"Für mich ist das Arbeiten als Kammermusiker enorm wichtig für meine Arbeit als Dirigent."  .

André Previn ist ein echtes Multitalent: Kammermusiker, Filmmusiker, Pianist, Dirigent und  Komponist. Mit seiner Oper "A Streetcar Named Desire" nach Tennessee Williams, die er im Auftrag der San Francisco Opera komponierte, erregte er internationales Aufsehen. Daß er kein Avantgardist ist und daß seine Musik von Manchen als eklektisch bezeichnet wird, stört ihn überhaupt nicht. Und so wie er Neue Musik, Alte Musik und Originalinstrumente verabscheut, bekennt er sich auch dazu, bestimmte Einflüsse in seine eigene Musik einfach aufzunehmen:

"Man kann in der Musikgeschichte sehen, daß es nicht unbedingt nötig ist, der Erste mit einer Idee zu sein, manchmal ist genauso wichtig, das letzte Wort einer Epoche zu haben!"  i

Ganz sicher ist André Previn einer der vielseitigsten und einer letzten bedeutenden Musiker
ohne Grenzen!

 

NDR-Kultur