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Dieter David Scholz
Porträts/Nachrufe ______________________________________________________________________
Samtig wie eine perfekt gespielte
Bratsche - Zum 16. März 2005
1957 gab Teresa Berganza ihr Bühnendebüt als Dorabella in Mozarts "Cosi fan tutte", und das in Aix-en Provence. Sie war damals 23 und es war der vielversprechende Auftakt einer internationalen Karriere. Die Berganza wurde gewissermaßen über Nacht zum Star. Die gro-ßen Dirigenten, von Kertész bis Abbado, die Bühnen der Welt in New York, London, Mai-land und Paris, aber auch die führenden Festivals, ob nun Aix, Glyndebourne oder Salzburg, rissen sich geradezu um die Mezzosopranistin mit der edlen, immer ausgeglichene Stimme, die sich nie verausgabte, nie über ihre Grenzen sang und nie enttäüschte. Teresa Bergaza konnte vor allem eines: schön und makellos singen. Mit ihrem sehr beweglichen Mezzosopran war sie natürlich prädestiniert für die Koloratur-Alt-Partien. Was Wunder, daß sie schon bald als eine der besten Rossini-Sängerinnen ihrer Zeit galt: Die Rossini-Partien waren die tragende Säule des Repertoirs von Teresa Berganza. Sie hatte nie den Ehrgeiz, alles zu singen. Im Gegenteil: Die bewußte Einschränkug des Repertoirs, die Konzentration auf das der eigenen Stimme Mögliche und Zuträgliche, das war das Geheimnis der langen Intaktheit und Schönheit ihrer Stimme, mit der die Berganza ihr Publikum in aller Welt zu Begeisterungsstürmen hinriß.
Die Italienische und auch die französische Oper war die eigentliche Domäne der Teresa Ber-ganza, sie sang neben den Rossini-Partien auch – und mir größtem Erfolg - Rollen wie Carmen und Medea, Charlotte und Dulcinée in Massenets "Don Quichotte", obwohl sie nie eine furiose, sich schauspielerisch verausgabende Schauspielerin war. Leidenschaft oder prickelnde Erotik waren ihre Sache auf der Bühne nicht. Aber sie besaß eine Stimme, so fein und samtig wie eine perfekt gespielte Bratsche. Sie stellet Affekte ausschließlich stimmlich dar. Sie war eine der größten Vokalistinnen der Nachkriegszeit. Und man verzieh es der Berganza gern, daß sie eben immer eine Dame war, ob im Konzertsaal oder auf der Bühne. Auch Mozart gehörte neben Rossini und dem Liedgesang zum Kernrepertoire von Teresa Berganza. Und das nicht von Ungefähr. Sie hat in ihrer Heimatstadt Madrid bei Lola Rodri-guez Aragon studiert, die ihrerseits Schülerin der großen deutschen Opern- und Liedsängerin Elisabeth Schumann war. Das kam Teresa Berganza für das Verständnis Mozarts, aber vor allem auch des Liedgesangs zugute. Teresa Berganza sang mit ihrer technisch höchst kulti-vierten Stimme von Anfang an, noch bevor sie die Opernbühne betrat, und sie behielt es Zeit Ihrer Karriere bei, deutsches Liedrepertoire: Mahler, Wolff, Strauss, Schubert und Schu-mann.
Ihre Liederabende, ob die mit deutschem oder spanischem Repertoire, waren stets bejubelte Sternsunden des Kunstgesangs. Zu schweigen von ihren Opernauftritten. Live kann man die Berganza nicht mehr erleben, aber es gibt Gott sei Dank viele ihrer Glanzpartien und auch einiges an Liedern auf CD.
NDR |