Dieter David Scholz

 


Arthur Nikisch zum 150. Geburtstag

 

Der Dirigent Arthur Nikisch war einer der maßstabsetzenden Dirigenten am Beginn der Moderne. Er ist in seiner Bedeutung sowohl für die Berliner Philharmoniker, als auch für das Leipziger Gewandhausorchester nicht zu unterschätzen. Ganz sicher war er in Leipzig nach  Felix Mendelssohn der bedeutendste Gewandhauskapellmeister.  Aus Anlaß seines 150. Geburtstages (am 12. Oktober) hat das Gewandhaus zu Leipzig eine Ausstellung über den Dirigenten orga-ni-siert:

"Arthur Nikisch – Dirigent neuen Typus".

Arthur Nikisch war tatsächlich ein Dirigent neuen Typus´, dessen intuitives, lebens-warmes Musizieren, dessen improvisatorische Freiheiten in der Interpretation, dessen Sparsamkeit der Gesten, dessen poetischer Klangsinn ebenso ungewöhnlich in seiner Zeit waren wie seine energische Re-pertoireöffnung für bis dahin  nicht selbstver-ständliche Komponisten.  Zwei entscheidende Le-bensphasen verbrachte der 1855 in Ungarn geborene Dirigent in Leipzig: die Jahre 1878 bis 1889 als Kapellmeister des Leipziger Stadttheaters, dann 1895 bis zu seinem Tod 1922 als Gewandhauskapell-meister. Daß er nebenher auch in Boston und in Budapest wichtige Ämter bekleidete und daß er schließlich auch die Berliner Philharmoniker die letzten 25 Jahre seines Lebens leitete, ist für den Kurator der Ausstellung im Leipziger Gewandhaus, Claudius Böhm  fast Nebensache, denn, selbst ... 

"... die Berliner dürften entdecken, daß Arthur Nikisch hier in Leipzig groß geworden ist, er ist übrigens einer der wenigen, oder sogar der einzige berühmte Dirigent, den die Leipziger Oper hervorgebracht hat. Und sie dürften vielleicht auch entdecken, daß Arthur Nikischs Lebensmittelpunkt, anders, als man das heute wahrhaben möchte, nicht in Berlin, sondern in Leipzig war."

Die Exponate der Leipziger Ausstellung, sehr viele Photos, die man noch nie gesehen hat, sogar eine rare Filmaufnahme des Dirigierenden Nikisch, Noten seiner Kompo-sitionen, Originale seiner Empfehlungsschreiben, auch seines Testaments mit dem Nachsatz, man möge nach seinem Tod keine Rede halten und ihn verbrennen, zeigen neue Seiten und Facetten des charismatischen, bärtigen Dirigenten mit dem schön geschnittenen Gesicht und der romantisch vollen Haarpracht. Die Devotionalien der informativ beschrifteten Ausstellung sind Nikischs Taktstock, sein letzter Paß, sein Reisekoffer. Das Herzstück der Ausstellung ist sein erstes Leipziger Aufführungs-journal.

"Das hat er geführt vom Beginn seiner Dirigentenkarriere 1878-1889, dort hat er akribisch jede Vorstellung, jedes Konzert eingetragen, das er dirigiert hat, wir können damit jetzt lückenlos nachverfolgen, was er in Leipzig getan hat. Und er hat sehr viel hier getan."

Man ist mächtig stolz in Leipzig auf diesen Dirigenten und seine Bedeutung in der Ge-schichte des Gewandhauses, denn sie ist ...  

"...eine ganz wichtige, sozusagen das Scharnier zwischen Mendelssohn und der Gegenwart. Er hat damals das Gewandhaus aus einer gewissen Verkrustung befreien können und er hat vor allen Dingen das  bis heute gültige Zen-tralrepertoire nicht nur des Gewandhausorchesters, sondern der klassischen Sinfonieorchester schlechthin etabliert, nämlich Beethoven, Brahms, Bruckner, bis hin zu Richard Strauss und Gustav Mahler."

Wer sich über Arthur Nikisch jenseits der wenigen verfügbaren Nikisch-Biographien anschaulich informieren möchte, über diesen Dirigenten, dem der Weltruhm des modernen Gewandhaus-orchesters, vor allem aber der Berliner Philharmoniker zu verdanken ist, der hat noch bis zum achten Januar Gelegenheit, die vor allem sich aus dem Nachlaß der Enkeltochter Nikischs, Vero-nika Moss bedienenden, sorgsam zusammengestellten Ausstellung im Leipziger Gewandhaus anzuschauen. Es lohnt sich!