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Dieter David Scholz
Kritiken TESEO Händel-Gastspiel des Goethe Theaters Bad Lauchstädt in England. Bury St. Edmunds,
Theatre Royal 3. 4. September Das Goethe Theater Bad Lauchstädt ist ein Juwel unter den Theatern Mitteldeutschlands. All-jährlich zu den Händelfestspielen steht es im Rampenlicht. Ansonsten wird es immer ein wenig vernachlässigt in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Mit einem von Publikum und Presse gefeierten England-Gastspiel einer eigenen Händel-Opernproduktion hat es in der vergange-nen Woche enorme Leistungsfähigkeit und hohes künstlerisches Niveau bewiesen, aber auch Perspektiven einer zukünftigen Zusammenarbeit mit anderen historischen Theatern Europas aufgezeigt. Einzelheiten von Dieter David Scholz.
"Teseo" war Händels zweite Oper, die er für und in London komponierte, frei nach der Dra-men-Vorlage Racines, fünfaktig angelegt, musikalisch außerordentlich originell, ein Parade-stück für sechs Sänger und ein Fest barocker Theatermaschinerie. Die barocke Zauberoper wurde am Londoner Haymarket Theatre ein grandioser Erfolg. Ein Erfolgsstück wurde sie auch für das kleine, aber feine Goethe-Theater Bad Lauchstädt, das die Oper im vergangenen Jahr zur Eröffnung der Händel-Festspiele produzierte, als Koproduktion mit den Festwochen Herrenhausen und dem Festival Bayreuther Barock. Man hat die Oper bereits mehrfach an anderen Orten gezeigt. Nun ist man mit ihr sogar nach England gereist. "Und wenn man mit einem Stück, was ja auch in London uraufgeführt wurde, dann letztlich an diesen Platz kommt, dann ist das schon was Besonderes!" Zurecht ist Wolfgang Katschner, Chef der Lauten Compagney Berlin stolz auf dieses Gast-spiel, denn erstens ist die musikalische Leistung seiner Truppe gerade in dieser Produktion fabelhaft, zweitens ist dies das erste Mal, daß ein mitteldeutsches Theater nach der Wende eine komplette Händel-Opern-Produktion nach England bringt und drittens kommt dieser Tournee geradezu Modellcharakter zu, denn man gibt nicht nur zwei Gastspiele in London, im schönen, modernen Britten-Theater der Royal Academy of Music, sondern auch zwei in einem zauberhaften historischen Theater, das nur wenige jünger ist als das Goethe –Theater Bad Lauchstädt, in der Kleinstadt Bury St- Edmunds nämlich, in Suffolk, etwa anderthalb Stunden nordöstlich von London. Colin Blumenau ist der Direktor des 360 Plätze zählenden Theatre Royal in Bury St. Edmunds und er erläutert die exemplarische Zusammenarbeit mit dem Goethe Theater Bad Lauchstädt: Es sei ein Signal für die Zukunft, für Barockoper an seinem Haus und für Europäische Koproduktionen. "For me it´s very very important, ...it´s a signal for the future, it showes us the way we would like to go once ... And indeed the idea of coproducing work with european partners is something what would be very exited about."
Die Idee der europäischen Zusammenarbeit historischer Theater hat sogar einen Namen: "Perspektiv". Eine Gesellschaft der historischen Theater Europas. Sie wurde in Bad Lauch-städt 2003 ins Leben gerufen. Ihr Ziel erläutert Bernd Heimühle, der Direktor (Intendant) des Goethe Theaters Bad Lauchstädt: "Das Anliegen ist der Austausch von Produktionen, ... es gab ja vorher keinen Austausch, und das ist, glaube ich, aus meiner Sicht das Entscheidende, daß man miteinander spricht, übereinander spricht und sich gegenseitig hilft." Dörte Reisener, Bad Lauchstädter Dramaturgin, Produzentin, wissenschaftliche Beraterin, die Gute Seele des Goethe Theaters, Mädchen für alles, und doch man müßte sie eigentlich die Operndirektorin nennen, sie präzisiert die Intention Bad Lauchstädts wie der Perspectiv-Gesellschaft. Das Ziel sei Musiktheater zu machen "in einer authentischen Spielweise mit dem Wissen um das Wie des Barocktheatermachens." Das "Teseo"-Gastspiel des Goethe-Theaters Bad Lauchstädt mit der Lauten Compagney Berlin, mit einem internationalem Solisten-Ensemble, einer vielgelobten, schlichten und doch barocken Inszenierung Axel Köhlers ist nicht nur der Auftakt eines vielleicht ständigen künftigen Austauschs von Produktionen historischer Theater in Europa, es ist auch zu einer VorzeigeProduktion des Landes Sachsen-Anhalt in der Englischen Metropole gekürt wor-den. Sogar der Kulturminister des Landes kam angereist und hat beim großen Empfang in der Deutschen Botschaft, aber auch vor dem Londoner Theater-Publikum wortreich die Kultur seines Bundeslandes gepriesen, vor allem aber der Händelstadt Halle. Um so bedauerlicher, daß ausgerechnet die Stadt Halle sich nicht an den Kosten dieses Händel-Gastspiels betei-ligte. Dörte Reisener: "Der Stadt Halle ist es bis jetzt nicht bewußt, daß Teseo keine Produktion des Opernhauses ist, sondern eine Produktion Bad Lauchstädts. Wobei also auch die Manpower das Goethe Theater Bad Lauchstädt leistet. " Das auswärtige Amt, das Kultusministerium und die Händelfestspiele waren immerhin spendabel und halfen, die den Etat des Goethe Theaters überstrapazierenden Kosten mitzu-tragen. Englische Sponsoren vor Ort taten das Ihrige. Wie überhaupt das britische Publikum, am Beispiel des historischen Theaters in Bury St. Edmunds wurde es exemplarisch deutlich, sich für seine Theater in hierzulande nicht bekannter Intensität kümmert. Und das Publikum in Bury St. Edmunds, aber auch in London war begeistert und dankbar für diese hochkarätige Händel-Aufführung aus Bad Lauchstädt. Stimmen aus dem Zuschauerraum: "Fabulous, it really was very good, one of best things we have heard in Bury, I must say! ...That was a feast of wonderful singing, absolutely marvellous. ... Phantastic! ... Absolutely splendid! Ein voller Erfolg also für Bad Lauchstädt und dieses Händel-Gastsspiel in England. Und man denkt schon an ein neues Projekt ebendort im nächsten Jahr. Beitrag für MDR-Figaro am Morgen, 16.9.2004:
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