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Dieter David Scholz
Kritiken L´Olimpidae - Baldasare
Galuppi Produktion des Teatro La Fenice im Teatro Malibran 20. Oktober 2006 Es ist eben nicht nur Antonio Vivaldi, der in Venedig zu Ruhm und Ehren kam, sondern auch und gerade Baldassare Galuppi, dessen 300ster Geburtstag sich vor wenigen Tagen jährte. In Venedig, seiner Geburtsstadt, gedenkt man des berühmten Sohnes mit einer Ausgrabung sei-ner Oper „L´Olimpiade“ am Teatro La Fenice bzw. dessen zweiter Spielstädte, dem 2001 wieereröffneten grossen und schönen Teatro Malibran, der Ausweichspielstädte des damals abgebrannten Teatro La Fenice. Andrea Marcon, Leiter des von ihm selbst 1997 gegründeten Venice Baroque Orchestra hat die Initiative ergriffen: „Es war nicht einfach, eine Oper von Galuppi auszuwählen. Es gibt derer so viele. Hundert Opern von ihm kennen wir, fünfundachtzig sind noch zu wieder-zuentdecken. Es war eher eine pragmatische Entscheidung, die uns „L´Olimpidae“ wählen liess.“ Andrea Marcon - der sich im Konzertsaal wie auf CD einen Namen gemacht hat als stilbewußter wie geschmackvoller Interpret venezianischer Musik von Monteverdi über Vivaldi bis zu Locatelli – setzt sich vehement für Baldassare Galuppi ein: "Wenn man in unseren Tage von venezianischen Barock-Komponisten spricht, denken wir alle natürlich an Antonio Vivaldi. Galuppi steht immer in seinem Schatten. Aber in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Galuppi der Hauptkomponist Venedigs. Deswegen ist sein 300ster Geburtstag, so finde ich, eine gute Gelegenheit, sein Kompositionsschaffen wieder zu entdecken.“ Die Aufführung im Teatro Malibran wurde denn auch, trotz einiger Längen im ersten Akt musikalisch zu einer überraschenden Wiederentdeckung. Vor allem gesanglich. Es war Manuela Custer, die die Vorstellung im Teatro Malibran in Venedig rettete, indem sie für ihre erkrankte Kollegin, die nur spielte, die anspruchsvolle Partie des Megacle vom Blatt sang, in einer Virtuosität und Stilsicherheit, die dem Publikum zurecht die Sprache verschlug. Aber nicht nur sie, auch die übrigen sechs Solisten der Aufführung, allesamt Spezialisten der histo-risch informierten Aufführungspraxis, überboten sich gegenseitig in der Kunst barocken Ziergesangs. Eine Da Capo-Arie jagte die nächste, die Aufführung geriet zu einem Fest schö-ner Stimmen! So festlich die Aufführung musikalisch geriet, so sparsam war die Inszenierung von Dominique Poulange und seinem Ausstatter Francesco Zito. Zwei ineinander gestellte, aus nichts als mit Landschaften und Architekturen bemalten Bühnenkästen aus transparenten Schleiern bildeten den Einheitsraum, in dem allerdings prächtige Barockkostüme getragen wurden. Der Grund für die nur angedeuteten Dekorationen liegt schlicht und ergreifend in den Sparzwängen der italienischen Theater. Andrea Marcon: „In Italien, und eben auch im Teatro La Fenice, gab es dieses Jahr kräftige Etatkürzungen, was zur Folge hatte, dass man eigentlich die Barockoper einsparen wollte. Und dann hatte ich die Idee: Warum machen wir nicht „L´Olimpiade“? Wir haben vor drei Jahren „L´Olimpiade“ von Cimarosa in einer schon damals sparsamen Produktion heraus-gebracht. Warum sollen wir die gleiche Inszenierung nicht noch einmal benutzen. Es ist schließlich dasselbe Stück. Was anders ist, ist die Musik.“ Und die hat selbst über die ziemlich verworrene und komplizierte Staatsaktion mit integrierter Dreiecksgeschichte - angesiedelt bei den antiken olympischen Spielen - hinweg getragen. Und nicht nur das: Sie hat das Publikum zu begeistertem wie herzlichem Schlußapplaus ani-miert. Es war dem fabelhaften Andrea Marcon, seinem brillianten Orchester und allen Mit-wirkenden dankbar für diese interessante Ausgrabung einer vergessenen Oper, die auf einem der am häufigsten vertonten Libretti des grossen Librettisten Pietro Metastasio basiert.
(Mitwirkende: Mark Tucker, Ruth Rosique, Roberta Invernizzi, Romina Basso bzw. Manuela Custer, Franziska Gottwald, Furio Zanasi, Filippo Adami) |