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Dieter David Scholz
Kritiken Gelungenes Feuerwerk Deutsche
Erstinszenierung von Händels "Atalanta" bei den Premiere 12. Mai 2005 Die Oper Atalanta entstand 1736 in der letzten Spielzeit, die Händel als Operndirektor des Londoner Covent Garden-Theaters zu verantworten hatte. Ein Auftragswerk des englischen Königshauses aus Anlaß der Hochzeit des Prinzen Frederic von Wales und der Prinzessin Augusta von Sachsen-Gotha. Die Uraufführung – in prachtvoller Ausstattung, mit ab-schließendem Feuerwerk auf der Bühne – und in erstklassiger Sängerbesetzung war einer der letzten Triumphe Händels vor seinem Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Zu Unrecht wurde die Oper nach 2 Serien vergessen und erst im 20. Jahrhundert, genau gesagt, 1970 wiederentdeckt. Bisher gab es lediglich eine Handvoll englischer und ameri-kanischer Produktionen des Stücks. Anlässlich ihres 85. Jubiläums haben die Händel-festspiele Göttingen die Oper Atalanta genau 269 Jahre nach ihrer Uraufführung als deutsche Erstinszenierung am Deutschen Theater in Göttingen herausgebracht, unter der Leitung des künstlerischen Chefs Nicholas McGegan und mit einem hochkarätigen Solistenensemble, aus dem die fabelhafte Dominique Labelle in der Titelpartie herausragt, eine Virtuosa des ba-rocken Ziergesangs. Atalanta ist die als Schäferin verkleidete Prinzessin von Arkadien. Ihr Geliebter ist der Schä-fer Tirsi alias Meleagro, König von Aetolien. Die beiden lieben sich, necken sich, spielen sich etwas vor, stacheln gegenseitig ihre Eifersucht an. So wie auch das echte Schäferpaar Irene und Aminta. Das Ganze ist ein bukolisches Schäferspiel, eine Verkleidungskomödie, in der Atalanta auf einer Jagd den kalydonischen Eber erlegt, der in Göttingen tatsächlich als riesiges Plüschtier auftritt, und damit Selbstbewußtsein, Tapferkeit und männliche Entschlossenheit als positive Eigenschaften einer Königstochter demonstriert. Eine Huldigung an Prinzessin Au-gusta von Sachsen-Gotha. Die Oper endet denn auch mit einer allegorischen Bühnenfeier des Hochzeitspaares, in der die Hochzeit Atalantas und Meleagros zelebriert wuird, aber natürlich die der Auftraggeber gemeint ist. Catherine Turocy, die Chefchoreografin der New York Baroque Dance Company, läßt die Oper in historischen, also auf Schleiern gemalten Kulissen und in historischen Kostümen spielen. Das sieht zwar im ersten und zweiten Akt mehr nach neunzehntem Jahrhundert aus. Man denkt an Wald- und Wiesenprospekte à la Meiningen für Schillers "Räuber". Aber im dritten Akt werden dann alle Register barocken Illusionstheaters gezogen. prachtvolle Scheinarchitekturen werden gezeigt, für Gott Merkur wird eine Flug-maschine eingesetzt und zum Pläsier des Publikums, das vor Begeisterung außer Rand und Band gerät – wird ein aufwendiges, echtes Bühnenfeuerwerk, wie man es kaum je gesehen hat, abgebrannt. Der Zuschauer kann etwas vom Glanz und von der sinnlichen Pracht barocker Opernfeiern erahnen.
Diese sogenannte "Licenza" des dritten Aktes mit deus ex machina und allegorischer Tu-gendverklärung des königlichen Ehebundes, ist das eigentliche Ereignis der Aufführung. Schon deshalb ist diese Ausgrabung in Göttingen, die dem Motto der diesjährigen Festspiele: "Händel und das Welfenhaus Hannover", das ja im 18. Jahrhundert zum englischen Königshaus aufstieg, gerecht wird, ein voller Erfolg. Und man vergißt den zeitweiligen Leerlauf der allzu barock nachempfundenen Personenführung mit vielen (unfreiwillig ironischen) pathetischen Gesten und Gängen, die nicht selten Gelächter provozieren. Schade, daß Nicholas McGegan mit dem Philharmonia Baroque Orchestra offenbar wenig Fortüne hat. Das Orchester befleißigt sich grober Schlampigkeiten. McGegan macht sich selbst Konkurrenz. Seine zehn Jahre alte Schallplatteneinspielung war bei weitem sorgfältiger musiziert, und wesentlich inspirierter, einfallsreicher und temperamentvoller in der Gestaltung! Schade.
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