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Dieter David Scholz
Damenkampf
Kommentar für SWR2 Aktuelle Kultur, am 10.7.2007.
Wolfgang Wagner selbst war es, der in kluger Voraussicht vor 8 Jahren, da war er im-merhin schon achtzig Jahre alt, die Tür zu Wahl seines Nachfolgers aufgestossen hat. Doch die Sache lief nicht so, wie er sich das vorstellte. Also hat er die Tür schnell wieder zugeschlagen. Er hat das Recht dazu. Wolfgang Wagner hat einen lebenslangen Vertrag als Chef der Bayreuther Festspiele. Daran ist nicht zu rütteln. Viele haben schon ver-sucht, ihn zu beerben. Ohne Erfolg. Seine Kinder aus erster Ehe, vor allem Eva Wagner-Pasquier, Casting-Chefin beim Festival d´Aix en Provence, seinerzeit favorisiert vom Land Bayern. Und natürlich die sendungsbewußte Nike Wagner, die kluge Tochter Wie-land Wagners, die derzeit – ohne rechte Fortüne – das Kunstfest Weimar leitet. Beide Damen waren und sind, darf man annehmen, dem Patriarchen am grünen Hügel nicht ge-nehm. Sein Wunschkandidat ist Katharina Wagner, seine Tochter aus zweiter Ehe mit Gudrun Mack, die an seiner Seite seit fast 30 Jahren in der Festspielleitung mitarbeitet. Katharinas Inthronisation hat Pappa Wagner klug und von langer Hand vorbereitet. Katharina, mit Wagners Werk aufgewachsen, hat Theaterwissenschaften studiert und bei Harry Kupfer assistiert, in Berlin und in Bayreuth. Sie hat fast ein halbes Dutzend Wag-ner- und andere Opern an verschiedenen Theatern inszeniert. Sie assistiert der Fest-spielleitung in Bayreuth. Jetzt also demnächst ihre erste Bayreuther Inszenierung. Alles Voraussetzungen, die sie tatsächlich für das Amt des Festspielchefs in Bayreuth prädes-tinieren wie keine andere Bewerberin aus dem Stalle Wagner. Und, sie ist 29 Jahre jung. Ihre beiden Mitbewerberinnen Nike und Eva sind, mit Verlaub gesagt, alte Damen, deren Eitelkeit inzwischen ihre Befähigungen zu dominieren scheint. Alles wartet also nun auf Katharinas Bayreuther Antrittsinszenierung mit den Meistersingern. Aber was dann? Ob Erfolg oder Misserfolg, der Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele hat zu entscheiden, wer Nachfolger wird. Er hat wohl nicht zufällig gerade jetzt das Thema für seine nahende Herbstsitzung auf die Tagesordnung gesetzt. Aber die 24 Stimmen des Stiftungsrates, zusammengesetzt aus Vertretern der Bundesrepublik Deutschland, des Freistaates Bay-ern, der Kommune Bayreuth, des Bezirks Oberfranken, der Bayerischen Landesstiftung und der Wagnerfamilie, dieser Stiftungsrat kann entscheiden, was er will: Wenn Wolfgang Wagner nicht will, bleibt es beim status quo. Bis er von der Bühne des Lebens abtritt. Bis dahin kann er weit in die Zukunft Verträge abschließen und den Kurs der Festspiele weiterhin festlegen. Daran kann wohl niemand ernstlich interessiert sein. Der Festspielchef geht auf die Neunzig zu. Er ist der dienstälteste Impresario der Welt. Es wäre an der Zeit, verantwortungsvoll über die Zukunft der Bayreuther Festsiele nachzudenken. Würde der Stiftungsrat sich für Katharina Wagner entscheiden, wäre die Chance groß, dass Wolf-gang Wagner sein Amt abgäbe an die junge Generation. Wählt der Stiftungsrat jedoch eine der beiden Mitkonkurrentinnen Eva und Nike Wagner, die sich erneut beworben haben, würde sich das Tor zu einem geordneten Neuanfang wieder auf unabsehbare Zeit verschließen. Wem wäre damit gedient? Oder hat der Stiftungrsrat gar andere Pläne? Er kann, muß aber nicht ein befähigtes Mitglied der Wagnerfamilie zum Nachfolger küren. So steht es in der Satzung. Und was Befähigung heißt, entscheidet er.
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