Dieter David Scholz

Bekenntnisse eines Musikjournalisten


Am Anfang steht immer die Lust am Hören wie am Besitzen der wichtigen und besten und neusten Aufnahmen, aber auch der einmaligen Raritäten, um die Einen jeder beneidet, die Sammellust, der Drang nach Vollständigkeit und der Wunsch, ein eigenes CD-Archiv aufzubauen, zur möglichst umfangreichen, vollständigen Diskothek, die unabhängig macht.

Zumal, wenn man – wie ich – in der ARD Musiksendungen und journalistische Beiträge über Musik und Musiker produziert. Aber nach den ersten 10.000 CDs relativiert sich das. Hat man 40 Mal denn kompletten „Ring“, 30 Gesamtaufnahmen der Beethoven-Symphonien, 35 Mal den "Don Giovanni"  und zentnerweise Liedrezitals und Klavierabende, fragt man sich: Was soll das?

Überschreitet man die Zahl von 20.000 CDs, wofür man schon viel Räumlichkeit und Zeitaufwand zur systematischen Pflege opfern muss, zweifelt man an jeder Sammellust und beschränkt sich fortan aufs Wesentliche an Neuem, mehr noch auf Raritäten, Historisches und Entlegenes. Man beginnt, auszumisten. Die Flut an DVDs, macht die „Sache“ noch kom-lizierter. Der einzige Vorteil der Lust und Last des Sammelns: Man kann vergleichen. Und da relativiert sich so manches Neue!  

Ich glaube nicht an die eine Wahrheit. Weder des Urteils noch der Interpretation. Es gibt derer viele. Aber was die Musik und ihre Interpreten angeht, so gibt es neben subjektiven auch objektive Maßstäbe: Die Partitur, Fachwissen, Erfahrungen und den direkten Vergleich! Abgesehen von Instinkt, Geschmack und Urteilsvermögen. Jedes spontane, emotionale Urteil ist meist ein Fehlurteil oder Vorurteil, eine rein persönliche Empfindung, die keinerlei Gültigkeit hat. Egal in welchen Hörsituationen auch immer. Es gab ihrer noch nie so viele!

Wie schön ist doch die Musik, aber wie schön erst,  wenn sie vorbei ist! (Sir Morosus in der der "schweigsamen Frau" von R. Strauss

 

Auf die einsame Insel nähme ich folgende CDs mit:

1. Gustav Mahler: Sinfonien. Utah Symphony Orch./ Maurice Abravanel. Vanguard Classics

2. Gustav Mahler: Das Lied von der Erde mit Christa Ludwig und Fritz Wunderlich

3. R. Wagner. Der Ring des Nibelungen. Solti/Knappertsbusch/Keilbetrth/Furtwängler/Böhm

4. Richard Wagner: Tristan-Gesamtaufnahmen mit Mödl, Varnay, Nilsson

5. Richard Wagners Parsifal mit Rafael Kubelik. Auch den mit Knappertsbusch/Mödl.

6. W. A. Mozart: Sinfonien. Christopher Hogwood. L´oiseau-Lyre

7. Die Mozart-Da Ponte Opern in den Einspielungen von René Jacobs & Erich Kleiber.

8. J.S. Bach : Kantaten. Harnoncourt / Leonhardt. Teldec, auch die von Koopman.

9. Joseph Haydn: Sinfonien. Christopher Hogwood. L´oiseau-Lyre

10. J. Offenbach: Anthologie. Forlane und überhaupt alles von Offenbach!

11. Monteverdi-Opern / René Jacobs und von Harnncourt

12. Beethoven-Sinfonien von Konwitschny, Toscanini, Chailly, Immerseel,

13. Janacek-Opern von Sir Charles Mackerras

14. Die große Leopold Stokowski-Box. RCA

15. Richard Strauss-Opern von Solti und Erich Kleiber
     sowie die sinfonischen Werke von Rudolf Kempe