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Dieter David Scholz
Nachruf
Beauté & Primadonna
Geboren wurde sie am 27. Juni 1932 als Tochter italienischer Eltern in Pennsylvania. Am Curtis Institute von Philadelphia hatte sie eine gründliche musikalische Ausbildung erhalten. Sie konnte nicht nur singen, sondern auch Bratsche und Klavier spielen. Als Fulbright-Sti-pendiatin kam sie an die römische Accademia di Santa Cecilia, vervollkommnete dort ihre Gesangstechnik bei der legendären spanischen Lehrerin Mercedes Llopart und debütierte schon 1955 in Spoleto als Norina in Donnizettis „Don Pasquale“. Zwei Jahre später kam sie an die Römische Oper. Man sprach von einer Sensation. Es war der Beginn ihrer inter-nationalen Karriere, die sie an alle großen Opernhäuser und Festspielorte der Welt führte. Ihre eigentliche Blütezeit waren die Sechzigerjahre, in der sie ein kräfteraubendes Jet-Set-Le-ben zwischen Filmsets, Fernseh- und Bühnenauftritten, Interviewterminen, Schallplatten-aufnahmen und Partys führte. Die ersten Opernhäuser in Europa und in Amerika rissen sich um die Moffo. 1968 brach die umschwärmte Primadonna in Berlin während einer Traviata-Aufführung zusammen. Es war der Anfang vom Ende einer kurzen, aber steilen Karriere. Die Schönheit ihrer Stimme und ihres Äußeren konkurrierten miteinander, bis ihr früher stimm-licher Ruin Ende der sechziger Jahre einsetzte. Als ihre Stimmkraft gänzlich versagte und mehrere Comeback-Versuche scheiterten, verlagerte Anna Moffo ihren Schwerpunkt. Sie führte ein glamouröses Leben. Das Parkett der High Society ersetzte ihr die Opern-Bühne. Zweimal war Anna Moffo verheiratet, zuletzt seit 1974 mit dem früheren Präsidenten der Schallplattenfirma RCA, Robert Sarnoff, der 1997 starb. Am Freitag, den 12. März ist sie selbst - der Realität längst entrückt - im Alter von fast 74 Jahren gestorben. Sie hinterläßt einige überragende Schallplattenaufnahmen, etwa ihrer Gilda in der „Rigoletto“-Gesamt-aufnahme von Georg Solti, ihre Mimi in der „Bohème“ von Erich Leinsdorf, ihre „Carmen“ unter Lorin Maazel und die zauberhaften Chants d´Auvergne von Canteloube unter Leopold Stokowski.
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