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Dieter David Scholz
Kommentar 12.10.2009 Ab nach Dresden Christian Thielemann wird Chef der Dresdner Staatskapelle Am Wochenende wurde bekannt gegeben, dass Christian Thielemann 2012 von der Isar- an die Elbmetropole wechselt, wo er Chef der traditionsreichen Dresdner Staatskapelle wird. München und seinen Philharmonikern gibt er damit einen Korb und beendet einen seit Längerem schwelenden Konflikt. ___________________________________________________________________________ Nun läßt er also die Münchner Philharmoniker sitzen und beglückt die Staatskapelle Dresden. Was für Thielemann die Verwirklichung eines lange gehegten „Traums“ ist, dürfte für Mün-chen zum Alptraum werden. Dort, wo man ihm im Verlängerungsvertrag seinss Amtes als Philharmonikerchef das Letztentscheidungsrecht streitig machte, wird man sich nun schnell-stens einen neuen Maestro suchen müssen. Keine leichte Aufgabe. Doch vielleicht ist man dort auch froh, den Unbequemen endlich los zu sein. Wer weiß? Dresden jedenfalls empfängt Thielemann, den zwischen Bayreuth, Wien, London und New York gefeiertsten Wagner- und Strauss-Dirigenten unserer Zeit, mit offenen Armen. Dass er, der Anwalt des deutschen Repertoires, mit tausend Freuden die „sächsische Wunderharfe“, wie einst Wagner dieses Orchester nannte, den international nur als zweitrangig eingestuften Münchner Philhar-monikern vorzieht, kann man verstehen. Ausserdem: Wagner und Strauss sind Repertoire-Kernpunkte sowohl des Dresdner Renommierorchesters wie des Dirigenten Thielemann. Und beide teilen eine konservative Grundhaltung. Eine Liebesheirat also? Thielemann profitiert jedenfalls vom enormen Renomée des traditionsreichen Orchesters und seines Auftrittsortes, der prachtvollen Semperoper. Und diese profitierten von Thielemanns internationaler Reputation und seinen Verbindungen zur Schallplattenindustrie. Man verspricht sich viel davon. Der jetzige Dresdner Musikchef, Fabio Luisi, der auf eigenen Wunsch von Dresden nach Zürich wechselt, ist verglichen mit Thielemann ein eher zweitklassiger Dirigent. Nun hat Dresden also endlich wieder einen dem inzwischen fast legendären Giuseppe Sinopoli ebenbürtigen Pultstar zum Chef. Somit dürften alle Beteiligten zufrieden sein. Nur, was erwartet Dresden? Den dort dingend notwendigen künstlerischen Innovationsschub wird man von Thielemann wohl kaum erwarten dürfen, denn allen seinen Lippenbekenntnissen von Repertoire-erwei-terung zum Trotz: Er dirigiert – ähnlich wie Daniel Barenboim – doch immer nur das Gleiche. Ein schmales Repertoire: Weber und Schumann, Beethoven Brahms und Wagner, Bruckner, Strauss und Pfitzner. Zugegeben, das passt zu Dresden! Aber soll denn Dresdens Musik-kultur auch in einem musikalischen Historismus verharren, der um die Semperoper herum architektonisch längst zementiert ist? Zwar wird Thielemann nicht auch zugleich Chef der Semperoper sein, doch dürfte er der unerfahrenen, künftigen Intendantin Ulrike Hessler, die bisher noch nie Opern-Intendantin war, kaum eine Hilfe sein. Seine Eitelkeit und seine auto-ritären Umgangsformen haben Thielemann noch überall den Ruf eines Schwierigen und Un-berechenbaren eingebracht. Auch in Dresden wird man über kurz oder lang damit zu tun haben. Und dann wird sich zeigen was dran ist an der alten Spruch-Wahrheit: "Es ist nicht alles Gold, was glänzt!"
NDR / MDR |