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Dieter David Scholz
DVD-Tip Der grandiose Sinfoniker Wagner
Lorin Maazel. The Ring without words. Mit den Es-Dur-Dreiklängen des Rheingolds beginnt Wagners gewaltige Tetralogie „der Ring des Nibelungen“, das monumentalste Werk des Musiktheaters, vier abendfüllende Werke. Der Dirigent Lorin Maazel ist einer der Wagnererfahrensten Dirigenten. Er dirigierte den „Ring“ 1967 in Bayreuth. 20 Jahre später bat ihn eine Schallplattenfirma, ein rein orchestrales Destillat, eine sinfonische Synthese des Ring anzufertigen und mit einem der ersten Orchester, den Berliner Philharmonikern, einzuspielen. Im Jahre 200 hat er dieses Experiment noch einmal realisiert, diesmal wurde es auf DVD mitgeschnitten. "Die Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern vor 12 Jahren hat dem "Ring" offen-bar ein ganz neues Publikum erschlossen. Die Aufnahme wurde mehrere hunderttau-send Mal verkauft." (Maazel) Es ist faszinierend, zu sehen, wie Donners Hammerschlag von einem Musiker der Berliner Philharmoniker ausgeführt wird. Und danach vom Gewitter im Rheingold übergegangen wird in die Walküre. Ein harter Schnitt. Aber der Regisseur Yutaro Mimuro setzt die musika-lischen Vorgänge auf dem Konzertpodium der Berliner Philharmonie so meisterhaft ins Bild, der Dirigent Lorin Maazel läßt die Schnittstellen der musikalischen Brüche so nahtlos in-einander übergehen, dass der Zuschauer die Musik und ihre Absicht schlagartig versteht. "Ich möchte betonen, dass ich nichts dazu komponiert habe, sämtliche Musik in dieser sym-phonischen Synthese des "Rings" ist von Richard Wagner. Zweitens ist das Werk chrono-logisch aufgebaut. Es beginnt mit den ersten Takten des „Rheingolds“ und endet mit den letzten Takten der Götterdämmerung. " (Maazel) Die Idee solcher sinfonischen Synthesen stammt eigentlich vom großen Leopold Stokowski, der schon in den späten Zwanzigerjahren des Zwanzigsten Jahrhunderts mit solchen sinfoni-schen Eindampfungen des „Tristan“ und des „Boris Godunow“ überraschte. Lorin Maazels „Ring ohne Worte“ konzentriert das 16-stündige Werk auf knapp 80 Minuten. "Wenn man sich den "Ring" ohne Worte anhört, bekommt man den Eindruck, es habe sich ein Fenster geöffnet. Durch das man einen Blick auf den Ring als Ganzes erhaschen kann. " (Maazel) Durch die Beschränkung auf das rein orchestrale, das motivische Material und seine Behand-lung - ohne jede "Ablenkung" durchs Inszenatorische, Mimische, Verbale und Dramatische – wird – mehr als in jeder Bühnenaufführung - Wagners ungeheure Größe als Sinfoniker erkennbar. Der eminente Wagnerkenner Michael von Soden hat es auf den Punkt gebracht: "Polyrhythmik, chromatische Rückungen von übermäßigen Akkorden usw. Das meiste (bis zum 2. Siegfriedakt) entstammt den 1850er Jahren (das "Meistersinger-Parlando", das bei der Wiederaufnahme der Kompositionsarbeit hineingeriet und von etlichen Kommentatoren später als stilistischer "Bruch" bezeichnet wurde, ist ja nur peripher). Man müsste mal "danebenhalten", was andere Komponisten (des In- und Auslandes) zu dieser Zeit geschrieben haben, dann wird schlagend deutlich, mit welchem Recht RW konstatieren durfte, dass er sich astronomisch weit vom Bestehenden entfernt habe. ... Nach "Ring ohne Worte" wirken die Sinfoniker Brahms, Bruch, Bruckner, Mahler, Strauß und etliche andere geradezu niedlich." (M.v.S.) Wie Siegfried mit seinem selbstgeschmiedeten Schwert den Amboss der Schmiede seines Ziehvaters zerschneidet, bedarf keiner szenischen Sichtbarmachung. Die Musik sagt eigentlich alles. Die Berliner Philharmoniker spielen diese gestische, illustrative, mit Leit-motiven die Handlung erklärende und kommentierende Musik mit prachtvollster Spiel- und Klangkultur und einem Furor, der mitreißt. Man begreift plötzlich die Worte Friedrich Nietzsches, der über Wagners „Ring“ einmal sagte: "Seine Kunst führt ihn immer den doppelten Weg, aus einer Welt als Hörspiel in eine ...Welt als Schauspiel und umgekehrt“. Maazels pausenloses Dirigat dieses Schnelldurchgangs durch "Rheingold" "Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" ohne Worte bezeugt es.
Beiträge
in: MDR Figaro, "Das Orchester" (Schott).
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