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Dieter
David Scholz
Rezension
"Wie aus der Ferne längst vergang´ner
Zeiten"
Leonie
Rysaneks Bestes auf CD

Noch für ihre Abschiedsvorstellungen
als "Pique-Dame"-Gräfin und als Klytemnästra hatte sie sich etwas vom
dramatischen Feuer ihrer einstigen Stimme bewahrt, das Fesselnd-Furiose
ihrer überragenden, sängerdarstellerischen Persönlichkeit teilte sich mit
vom ersten bis zum letzten Tone dieser Abtrittsereignisse, noch nach einem
halben Jahrhundert Musiktheater. Was von der Rysanek bleibt, sind
unauslöschliche Erinnerungen für den, der sie erlebt hat. Wer nicht, muß auf
Platten zurückgreifen, zu denen die Rysanek immer ein, wie sie selbst sagte,
"belastetes Verhältnis " hatte. Ihre raren Livemitschnitte sind nur im
Ausland zu erhalten, die wenigen Studioprodukionen spiegeln nur sehr
eingeschränkt das "Bühnenerlebnis Leonie Ry-sanek" wieder. Zu groß sind oft
die stimmlichen, gesangstechnischen Mängel auf ihren Ton-konserven. Zum Teil
krasse Intonationsunsicherheiten, Unstetigkeit und Hauchigkeit des Tons,
Ungenauigkeit der vokalen Attacken werden auf CD eben nicht kompensiert
durch schauspielerische Leistung. Um so erfreulicher, daß jetzt, zum
endgültigen Ende ihrer Bühnen-laufbahn eine Blütenlese italienischer
Opernarien und -szenen aus den besten Jahren ihrer Gesangskunst
wiederveröffenlicht wurde. "Wenn es überhaupt eine Platte gibt, mit welcher
ich weitgehend zufrieden bin, dann dieses italienische Arien-Rezital",
bescheinigt sie der Wieder-veröffentlichung der Einspielungen aus den Jahren
1958-61, die unter Leitung von Arturo Basile, Erich Leinsdorf und Tullio
Serafin entstanden. Erstklassig vokalisiert, glutvoll gestaltet, lodernd in
den dramatischen Höhepunkten und mit gleissender Höhe singt sie Aida,
Desde-mona, Lady Macbeth, Turandot, Tosca, Amelia (Un ballo in maschera) und
die Arien "La Mamma Morta" aus "Andrea Chenier" und "Voi lo Sapete" aus
Cavalleria Rusticana". So gut hat man die Rysanek selten gehört! Auch wenn
zwei (anderweitig dokumentierte) Säulen ihres Repertoirs fehlen, Wagner und
Strauss, diese CD hat Vermächtnischarakter!
Opernwelt
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