Dieter David Scholz

Tragischer Fall
Nachruf auf Peter Hofmann  

Der ehemalige Opernsänger Peter Hofmann ist tot. Er starb in der Nacht zum 30. November im Alter von 66 Jahren nach langjähriger Krankheit. Einige Jahre gehörte er zu den gefragte-sten Wagnertenören.                       

 

 

 

 

Als Siegmund in der zur „Jahrhundertinszenierung“ verklärten Bayreuther „Ring“-Produktion von Patrice Chéreau wurde er stürmisch gefeiert: Ein Hühne von einem Mann, mit dem wohl schönsten Thorax, den Bayreuth je auf der Bühne gesehen hat. Blondgelockt, ein durch-trainierter Sportler, ein Ideal von einem Wagnermannsbild, wenn auch stimmlich nicht epo-chal, vergleicht man seine mit anderen Stimmen. Dennoch wurde Peter Hofmann zum neuen Typus von Tenor auf der Opernbühne. Sein sportlich-rebellischer Siegmund wurde denn auch zum Auftakt einer verheißungsvollen Karriere. Alle großen Theater und Dirigenten der Welt rissen sich geradezu um den 32-Jährigen blonden, muskulösen Wagnerhelden. Der Sänger als Photomodell, das kam in Mode. Durch den Medienhype der Yellowpress fühlte er sich geschmeichelt, den pekuniären Verlockungen des Opernmarktes konnte er nicht widerstehen. - Er gehörte damals zu den meistverdienenden Tenören im schweren Wagnerfach, lebte fürstlich auf Schloß Schönreuth in der Oberpfalz und sang an den ersten Häusern der Opernwelt,  nicht nur Siegmund, sondern auch Siegfried, Lohengrin, Parsifal und Tristan.

Peter Hofmann begann seien Laufbahn 1969 am Theater der Stadt  Kiel. Nach 5 Jahren wechselte er nach Wuppertal, 1975 nach Stuttgart, wo er schon ein Jahr später einen auf-sehenerregenden Parsifal sang, der viele Verpflichtungen nach sich zog, eben auch die nach Bayreuth. Geboren wurde er als Sohn eines Musikers in Marienbad, aufgewachsen ist er in Darmstadt. Schon mit Sechzehn hatte Peter Hofmann eine Rockband gegründet. Großen sportlichen Erfolgen folgte eine Verpflichtung als Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Hofmann wurde Fallschirmspringer und schied im Rang eines Stabsunteroffiziers aus dem Militär. Als er mit 22 seinen ersten, vielversprechenden Tamino sang, horchte man auf. Als Georg Solti mit ihm 1979, drei Jahre nach seinem Bayreuth-Debüt den „Fidelio“ aufnahm, war dies im Grun-de schon ein „namenloser“ Ärger.

 

So steil die Karriere Peter Hofmanns begann, so jäh endete sie, nach gut zehn Jahren. Peter Hofmann war der erste tragische Fall von Vermarktung körperlicher Vorzüge und Sex-appeals auf Kosten der Stimme. Ein begabter Sänger wird entdeckt, gehypt, wie man so sagt und in ein Klischee gepresst, in eine Schublade. Fremdbestimmung als Vermarktung nach den Gesetzen von Zeitgeist und Kommerz. Was im heutigen Musik- und Opernbetrieb leider fast „normal“ genannt werden muss. Peter Hofmann hat von Anfang an das für ihn wohl falsche, weil seine stimmlichen Möglichkeit überfordernde Fach gesungen. Die Wagnerhelden rui-nierten seine Stimmbänder, zumal seine Technik hörbar unterentwickelt war. Er hatte, was man eine Naturstimme nennt, sang immer auf Substanz, mit Leidenschaft, schonte sich nicht. Das ging einige Jahre gut. Aber schon bei seinem Bayreuther Lohengrin von 1982  ahnte man Schlimmes. Die Buh-Orkane selbst des Bayreuther Publikums häuften sich. Eine Bayreuther Tristan-Aufführung von 1987 wurde zu einem finalen Debakel.  Drei Jahre später sang Peter Hofmann im neu erbauten Hamburger Musical-Theater in einem unsäglich banalen  „Phantom der Oper“. Es war der Anfang von seinem Abstieg. Peter Hofmann musste sich immer mehr „durch die Niederungen seiner Berühmtheit quälen“, wie es Jürgen Kesting einmal formulierte. Tourneen als Rock- und Countrysänger wechselten sich mit Sprechrollen bei den Bad Sege-berger Karl-May-Festspielen ab. 1994 entdeckte Hofmann erste Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung Vor zwei Jahren wurde bekannt, dass er auch an Demenz litt. Die letzten Jahre wurden für ihn zur Qual. In der Nacht zum vergangenen Diensteg verstarb er in einem Krankenhaus im Kreis Wunsiedel.  Sein Bruder sprach von einer Erlösung.

 

Beiträge in MDR Figaro & SWR 2 "Musik aktuell"