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Dieter David Scholz
Buch-Sammelbesprechung Die Literatur über Ludwig II. an seinem 125. Todestag Kaum eine deutsche Herrschergestalt ist so von Legenden umrankt, wie die Kö-nig Ludwigs II. von Bayern. Er avancierte zur Kultfigur, gilt als „Märchenkönig“, dessen Vita vielfach nacherzählt wurde, im Film wie in der Literatur. Zahlreiche Künstler habe ihn porträtiert. Seine Schlösser ziehen in ungebrochenem Magnetismus ein weltweites Publikum an. Ludwig II. ist bis heute Projektions-fläche für vielerlei Wünsche, Träume, Hoffnungen und zugleich bedeutender Ein-nahmefaktor des Landes Bayern. Auch zu seinem 125. Todestag sind wieder ei-nige Bücher auf den Markt gekommen, die sich mit dem Mythos Ludwig II.be-fassen.
„Auf den Bergen ist es schön, wo des Königs Ludwigs Zweiten alle seine Schlösser stehn“ (Weiß Ferdl)
Seine Schlösser sind bis heute lukrative Hauptattraktivitäten Bayerns. Der Mythos vom „Märchenkönig“ zieht immer noch alljährlich viele Millionen von Touristen an. Zumal der angeblich mysteriöse Tod des bayerischen Monarchen am 13. Juni 1886 im Starnberger See (bis heute) Anlass zahlreicher Mord- und Verschwö-rungslegenden geworden ist. Das Hauptinteresse der Ludwig-Literatur galt bereits beim hundertsten Gedenktag des Todes Ludwigs II. den Umständen, die zu seinem Tode führten. Wilhelm Wöbking, ehemaliger Staatsanwalt und leitender Beamter im bayerischen Landeskriminalamt, hatte damals eine vierhundert-ei-tige Studie über den Tod Ludwigs II. veröffentlicht. Eine akribische Zusammen-stellung und Auswertung aller nachprüfbarer Fakten. Seinem Ergebnis ist auch heute nichts hinzuzufügen: Der durch den Ministerrat entmündigte und entmach-tete König habe den Selbstmord durch Ertrinken gesucht und dabei den Psychia-ter Dr. Gudden, der ihn daran hindern wollte, mit in den Tod gerissen. Die Indizien sind - nach Sichtung aller in den bayerischen Staatsarchiven (ausgenommen das nach wie vor unzugängliche Hausarchiv der Wittelsbacher) vorhandenen Doku-mente - eindeutig. Das respektiert auch die neuste Ludwig-Literatur. Doch ob Ludwig II. wirklich an einer Psychose, an Paranoia und Geistesschwäche litt, die ihn als Politiker nicht länger tragfähig und regierungsunfähig gemacht habe, diese Frage steht im Mittelpunkt der jüngsten Literatur über den unglücklichen "Kini". Heinz Häfner stellt in seinem vor drei Jahren erstmals, und aus aktuellem Anlass soeben erneut aufgelegten Buch „Ein König wird beseitigt“ überzeugend dar, dass Ludwig II. nach damaligen, und schon gar nicht nach heutigen Kriterien we-der als wahnsinnig noch als geistesschwach bezeichnet werden kann. Häfner macht aber auch deutlich, dass sowohl das psychiatrische Gutachten, das zu seiner Entmachtung führte, als auch der rechtliche Akt der Entmachtung grobe Verfahrensfehler aufweisen. Dem schließt sich auch der von Hermann Rum-schöttel verfasste Band der Reihe WISSEN im Beck Verlag an. Auf 128 Seiten fast der ehemalige Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns alles gesi-cherte Wissen über diese prominenteste, so exotische wie außenseiterische Herrscherfigur aus dem Geschlecht der Wittelsbacher zusammen. Ludwig II. irritierte seine Zeitgenossen ja sowohl durch die im katholischen Bayern tabuisierte Homosexualität, als auch durch seine imposante Weltflucht in Bau-, Musik- und Kunstleidenschaft, die die Staatskasse gefährlich belastete. Auch die lesenswerten Aufsätze in den beiden Katalogen der zum 125. Todestag aus-gerichteten großen Landesausstellung über Ludwig II. in Schloß Herrenchiemsee machen das deutlich. Fazit: Es gibt 125 Jahre nach seinem Tod eigentlich keine entscheidenden offenen Fragen zum Leben und Sterben Ludwigs II. mehr. Doch der Mythos vom Märchenkönig lässt sich wohl durch keine noch so gesicherte Enträtselung erschüttern. Und die Bayern leben gut mit diesem Mythos. "Den Künstler, um welchen jetzt die ganze Welt trauert, habe ich zuerst erkannt und der Welt gerettet." Ludwig II. nach Wagners Tod 1883.
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