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Dieter David Scholz
Buch-Besprechung in MDR Figaro Ernst Burger: Franz Liszt.
Ernst Burger gilt als einer der besten Kenner des Komponisten und Pianisten Franz Liszt, dessen Todestag sich am 22. Oktober zum 200. Mal jährt. Erst vor einigen Monaten brachte er einen viel beachteten Bild- und Dokumentarband über Liszts Jahre in Rom und Tivoli heraus. Kürzlich ist von Burger im ConBrio Verlag ein wiederum reich bebildertes Buch erschienen, das sich mit Liszts „Leben und Sterben in Bayreuth“ befasst. „Paris, Weimar, Rom und Budapest sind die Städte, die man gewöhnlich mit Liszts Vita in Verbindung bringt. Aber auch Bayreuth ist zu nennen, wenngleich Liszt erst als 61-Jähriger diese Stadt zum ersten Mal besuchte“, wie man bei Ernst Burger liest. Und er hat ganz Recht, wenn er darauf hinweist, dass ohne den über viele Jahre hin sich erstreckenden materiellen und tatkräftigen Einsatz Liszts für Wagner und sein Werk die Bayreuther Festspiele wohl nie zustande gekommen wären. Seit seiner Teilnahme am Richtfest des Festspielhauses 1872 war Liszt alljährlich mehrere Wochen in Bayreuth. Er wohnte entweder in Wagners Villa Wahn-fried oder gegenüber, im Haus des Öberförsters Fröhlich. Dort ist er auch gestorben. Anton Bruckner improvisierte an der Orgel über Wagners Parsifal beim Requiem für den verstorbenen Liszt in der Bayreuther Stadtkirche. Kein Ton Lisztscher Musik erklang. Bezeichnend für die Haltung Cosimas und der nachfolgenden Wagnerfamilie in Bayreuth, die Liszt vor allem als Wegbereiter und Propagandist Richard Wagners betrachtete. Cosima hatte ihrem Vater Liszt trotz seiner bereits schweren Erkrankung das Versprechen abge-rungen, den Festspielen mit seiner Anwesenheit einigen Glanz zu verleihen. Er wollte seine Tochter nicht enttäuschen und schleppte sich – bereits vom Tode gezeichnet - noch in die Pre-mieren des Parsifal und des Tristan. Kein Stern sollte neben Wagner am Bayreuther Himmel erstrahlen. Selbst der Tod Liszts, immerhin eines der berühmtesten Musiker des 19. Jahrhunderts, sollte keinen Schatten auf die laufenden Festspiele werfen. Cosima tat alles, damit die Öffentlichkeit von Liszts Erkrankung und seinem Sterben nichts erfuhr. Erst 2 Tage nach seinem Tod, am Morgen, nach einem illustren Bankett, das Cosima im Restaurant „Frohsinn“ für prominente Festspielgäste gege-ben hatte, las man von Liszts Tod in der örtlichen Presse. Am nächsten Tag wurde er auf dem Bayreuther Stadtfriedhof beerdigt. Schlicht und in kleinem Kreis. Cosima wollte sogar Liszts Schüler ausschließen. Der Bürgermeister zitierte in seiner Rede aus Wagners Tristan. In Paris, Budapest, Weimar und Rom hätte man dem großen musikalischen Europäer Liszt ganz sicher die letzte Ehre würdiger erwiesen. Es sind eben diese letzten Bayreuther Tage Liszts, zwischen dem 21. und dem 31. Juli 1886, die Ernst Burger so exakt wie möglich darstellt, indem er drei Aufzeichnungen von Zeitgenossen einander gegenüberstellt, die die letzten Stunden Liszts miterlebten: Von Wag-ners langjährigem Diener Schnappauf, vom Liszt-Schüler August Göllerich und von Liszts Schülerin (womöglich auch letzter Geliebter) Lina Schmalhausen. Ihre sehr detaillierten Auf-zeichnungen sind in Burgers Buch zum ersten Mal in vollständiger deutscher Fassung zu lesen. Und so erfährt man bisher nicht gekannte Einzelheiten über Liszts Erkrankung, er hatte sich eine Lungenentzündung zugezogen, über seine Behandlung durch hilflose Mediziner, seine Pflege, seine letzten Gespräche und seinen Todeskampf. Auch seine Einsargung, Aufbahrung in Wahnfried und sein Begräbnis werden genauestens beschrieben. Es sind erschütternde Dokumente, die bei allem Befremden über die Liszt-Herabsetzung im Hause Wagner (die bis heute andauert) dennoch die Legende widerlegen, dass sich Cosima „überhaupt nicht um ihren sterbenden Vater gekümmert habe“. Schon deshalb ist dieses mit zahlreichen, zum Teil erstmals veröffentlichten historischen Photographien ausgestattete, schön gestaltete Buch des Liszt-Forschers Ernst Burger so verdienstvoll.
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