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Dieter David Scholz
Festivalbericht Mozartfest in La Coruña 2009 Mozart im Wilden Westen Europas Galizien ist gewissermaßen Europas „Wilder Westen“. 2,8 Millionen Galizier und 1,5 Millio-en Rinder teilen sich das Land, das etwa die Größe Brandenburgs hat. Die quirlige Haupt-stadt der autonomen Region, La Coruña, liegt im äußersten Nordwesten Spaniens, unweit vom Pilgerzentrum Santiago de Compostela, und direkt am Atlantik. Sie besitzt nicht nur einen der schönsten Stadtstrände Europas. Sie ist auch bei Feinschmeckern längst ein Geheimtip in Sachen Meerestiere. Und wer es noch nicht wußte: Seit 1998 gibt es in La Coruña ein Mozartfestival. Dieter David Scholz stellt es vor. Mozarts frühes Singspiel „Zaide“ war die eigentliche Neuproduktion des diesjährigen Mo-zartfestivals im galizischen La Coruña. Die Inszenierung von Graham Vick lässt das – der „Entführung aus dem Serail“ ähnliche, fragmenthafte Stück auf einer türkischen Baustelle von heute spielen, deutsch gesungen, mit verbindenden Texten von Italo Calvino, die von einem galizischen Sprecher vorgetragen werden. Schon rein sprachlich kein leichtes Unterfangen für das angereiste Publikum. Und über die Inszenierung reden wir lieber nicht ...
Beispielhaftes Regietheater vorzuführen, ist die Grundidee des Intendanten Paolo Pinamonti: "Ich bin absolut davon überzeugt, dass im letzten halben Jahrhundert die Vitalität der Oper vom Regietheater ausging. Diese Festival soll das reflektieren." Im vergangenen Jahr hat man Produktionen von Giorgio Strehler und Herbert Wernicke gezeigt, in diesem Jahr steht der britische Regisseur Graham Vick im Zentrum des Festivals. Neben seiner neuen „Zaide“ zeigt man seinen „Mitridate“ aus London und seine Produktion von Massenets „Werther“ aus Lissabon. Es muß nicht nur Mozart sein. Daneben gibt es in den 5 Wochen, die das Festival dauert, von Ende Mai bis Ende Juni, Sinfoniekonzerte, Liederabende und Kammermusik. Piotr Anderszewski, Christoph Prégardien, Stephan Genz und Maria Bayo sind nur einige prominente Namen von Künstlern, die zu Gast sind. Der venezianische Geiger Giuliano Carmignola, der alle Mozart-Violinkonzerte spielte, ist „Artist in Residence“.
Ein breitgefächertes Angebot für ein breites Publikum. wie Paolo Pinamonti betont: "Am wichtigsten ist es für die Menschen hier. Aber es richtet sich auch an die Touristen." Und die einheimischen Besucher – an der westlichsten Küste Europas, fern der europäischen Opernzentren – lieben ihr Festival, auch wenn nicht alles gold ist, was im Teatro Colon glänzt. Gegründet wurde das Mozart-Festival in la Coruña, wie Paolo Pinamonti erläutert, … "1998 in Madrid, aber der Bürgermeister von Madrid hat das Budget gestrichen. Der Bürgermeister von La Coruña, ein kultivierter Mann, hat dieses Festival hierher geholt." Pinamonti ist inzwischen der dritte Intendant, nach Antonio Moral und Alberto Zedda, Auch wenn ihm aufgrund der selbst im wohlhabenden Galizien zu spürenden Finanzkrise in diesem Jahr etwa 25 % des Gesamtbudgets von etwa zweieinhalb Millionen fehlten: Er schaut nach vorn: "Mein Ziel ist es, das Festival noch stärker zu profilieren, für das Publikum, die Kritiker und das internationale Interesse." Übrigens hat La Coruña schon seit dem 19. Jahrhundert eine Operntradition. Heute gibt es eine Assoziation namens „Amigos de la Opera“, die im Herbst eine kleine Opernsaison im alten, palmenumstandenen Teatro Colon Caixa Galicia veranstaltet.
Doch der kulturelle Höhepunkt des Jahres ist ohne Frage das sommerliche Mozartfestival. Dafür hat man auch einen modernen „Palacio de la Opera“ gebaut. In ihm spielt das renommierte Galizische Sinfonieorchester besondere Raritäten, die nur in La Coruña zu hören sind. Gonzalo Suarez: Wir präsentieren in unseren Konzerten Transkriptionen von Beethoven-Symphonien, die nur in den Archiven der Bibliothek von La Coruña liegen. Aber nicht nur die Freunde ausgefallener Beethovenpartitur-Abschriften, auch alle Bade-Enthusiasten und Seafood-Connaisseure kommen in La Coruña voll auf ihre Kosten. Das milde Klima, ein 3 Kilometer langer, halbmondförmigen Sandstrand mitten in der Stadt, das spektakuläre Meeresaquarium und eine beispiellos wilde Atlantik-Flora und Fauna lohnen in jedem Fall eine Reise zum Mozart-Festival in La Coruña, bei dem sich Körperkultur, Kunst und Kulinarik aufs Feinste verbinden lassen. _____________________________________________________________________________ Spezialität in La Coruña: Die Entenmuschel Sie ist eigentlich gar keine Muschel, sondern ein Krebstier aus der Klasse der Rankenfuß-krebse, auch wenn ihr Aussehen mehr einer Muschel als einem Krebs ähnelt! Auf den ersten Blick ähneln Entenmuscheln einem Elefantenfuß. Den Namen Entenmuschel leitet man davon ab, dass man früher dachte, aus den Tieren würden sich die Nonnengänse entwickeln, da nie beobachtet wurde, dass diese im gemäßigten Europa nisten. Die Ähnlichkeit der Enten-muschel mit der Nonnengans in Farbe und Form löste wohl dieses Durcheinander aus. Und in Deutschland wurde dann aus der Gans sogar eine Ente. Alle Rankenfußkrebse, und damit auch die Entenmuschel, leben ausschließlich in marinen Gewässern. Das Hauptvorkommen der Entenmuschel (Pollicipes polynurus) befindet sich im Atlantik vor der spanischen und portugiesischen Küste und im Mittelmeer. Hier leben die Tiere festsitzend, auf den harten Oberflächen der Felsen in der intertidalen Zone des Meeres sowie auf Treibgut. Die Entenmuschel ist leicht durch ihren langen und muskulösen Stiel erkennbar, bei dem es sich übrigens um den umgewandelten vorderen Teil des Kopfes handelt. Dieser Stiel ist essbar und erfreut sich in einigen Mittelmeerländern, vor allem im spanischen Galizien, wo sie unter Einsatz des Lebens von kühnen Fischern von atlantikumbrandeten Felsen gelöst und einge-sammelt wird, als Delikatesse besonders großer Beliebtheit. Preiswert sind Entenmuscheln allerdings nicht.
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