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Dieter David Scholz
Buchrezension Von der „Scheune“ zum High-Tec-Theater Mit der Uraufführung des „Rings“ wurde das Bayreuther Festspielhaus 1876 eröffnet. Seither steht es als Theater-Unikat und repräsentatives Symbol Wagnerschen Ausnahmewillens. Es hat mehrere deutsche Staatsformen, zwei Weltkriege und 96 Richard Wagner-Festspiele überstanden und steht stabiler da denn je. Längst grundsaniert und technisch auf dem neusten Stand, in seiner materiellen Existenz durch eine Stiftung gesichert, beherbergt es immer noch der Deutschen beliebtestes, wo nicht bedeutendstes Festspielunternehmen. Menschen aus aller Welt drängen sich danach, einmal in diesem Theater mit seiner einzigartigen Akustik und Architektur gewesen zu sein. Nur jeder Zehnte schafft es, in den Genuß von Eintrittskarten zu kommen, derart gewaltig ist der Ansturm. Richard Wagner hat dieses amphitheatralisch-demokratisch konzipierte Haus, gemeinsam mit vielen Beratern und Ideengebern, vor allem mit den Architekten Gottfried Semper und Otto Brückwald aus utopisch sozialistischem wie griechischen Geist für sein postrevolutionäres „Kunstwerk der Zukunft“ entworfen. König Ludwig II. von Bayern hat finanzielle Starthilfe geleistet. Merkwürdig genug, dass sich bisher keine Monographie dieses exzentrischen Gebäudes annahm, dessen Bauherr bei der Grund-steinlegung den sybillinischen Ausspruch tat: „Hier schließ ich ein Geheimnis ein, da ruh´ es viele hundert Jahr´: so lange es verwahrt der Stein, macht es der Welt sich offenbar“. Markus Kiesel, kaufmännischer Direktor der Ludwigsburger Schlossfestspiele, hat jetzt einen Bildband herausgegeben, der die Idee und die Entwicklung der schnörkellosen Bayreuther „Scheune“ (die ursprünglich als hölzernes, provisorisches Theater gedacht war) zum High-Tec-Theater von heute veranschaulicht. Zum ersten Mal wird dieses Bayreuther Festspielhaus aus allen nur erdenklichen Perspektiven fotografiert. Das Ergebnis ist eine faszinierende Bild-dokumentation, die 800 zum Teil atemberaubende Fotographien (Außen- wie Innenan-sichten) enthält, hervorragend reproduzierte Photos, die die einmalige Architektur dieses Hauses neu beleuchten. Interviews mit Wolfgang Wagner, Harry Kupfer und Pierre Boulez , aber auch informative Texte zu Wagners Festspielidee, zu Baugeschichte, Architektur, Bühnentechnik und Innendekoration machen das zweisprachige (deutsch/englisch), schön gebundene Buch zu einem opulenten Nachschlagewerk.
Das Richard Wagner Festspielhaus Bayreuth. Hrsg. von Markus Kiesel. Nettpress 2007. 224 S.; EUR 68,00
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