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Schiller und die Musik - Die Musiker und
Schiller
Zum 200. Todestag des
Klassikers

Heute vor 200 Jahren starb in Weimar Friedrich
Schiller, einer der Fixsterne am Himmel der klassischen deutschen Literatur,
neben Goethe der mit Abstand berühmteste deutsche Schrift-steller. Seine
Hinterlassenschaft hat seit mehr als 200 Jahren die Komponisten zu
Vertonungen und Bearbeitungen animiert. Dabei war Schiller selbst nicht
gerade der Musikalischste!

Das Lied von der Glocke, das Friedrich
Romberg vertont hat, ist zweifellos Schillers meist-vertonte, auch am
häufigsten auswendig gelernte Ballade. Man könnte denken, sie sei für Mu-sik
geschrieben worden. Dabei lag Schiller nichts ferner als das. Er konnte
weder singen, noch ein Instrument spielen. In einem Brief an Herder
bezeichnete er sich selbst am 3.Oktober 1797 als „vollkommenen Laien im
Musikfache“. Auch wenn Schiller die leisen Instrumente Gitarre und Mandoline
liebte und sogar das Libretto einer „Lyrischen Operette“ mit dem Titel „Semele
schrieb: Er stand der Musik zeitlebens eher distanziert und skeptisch
gegenüber. Mu-sik war dem ästhetischen Form-Puristen und Anwalt klarer
Verstandeskraft schlechterdings zu sinnlich. Sein Freund und musikalischer
Berater, Christian Friedrich Körner, hatte ihn nicht ganz ohne Grund als
„unmusikalischen“ und „stümpernden Dilettanten“ bezeichnet. Der Vor-wurf,
Schiller sei der unmusikalischste der großen deutschen Dichter, hielt sich
bis ins zwan-zigste Jahrhundert.

Spätestens seit dem
fünfzigsten Todestag Schillers - und Meyerbeers Schiller-Festmarsch -
häuften sich die musikalischen Schiller-Huldigungen und die Liste der
Schiller-Vertonungen wurde immer länger. Schiller war zum Mythos geworden.
Von mehr als 15 Komponisten wurde allein das 1799 entstandene Lied von der
Glocke Op. 25 vertont, als Chorwerk a capella oder mit Orchester, neben
Romberg auch von Meyerbeer, Liszt und Brahms, Schu-mann, Cornelius,
Humperdinck, Richard Strauss und von Max Bruch.

(Die
Läuteglocke am Münster in Schaffhausen, die Schiller zum "Lied von der
Glocke" inspirierte)
Vergleichbar den Glocken,
hatte Schiller auch eine besondere Affinität zum Klang der Orgel. Seine
prägenden musikalischen Kindheitseindrücke waren denn auch wohl
Gottesdienstbesuch. „Wie Donner schallen mir der Orgel Töne“ ruft Johanna
in Schillers „Jungfrau von Orléans“ nach der Flucht aus der Kirche. Schiller
konnte nicht ahnen, daß 44 Jahre später Giuseppe Verdi dieses Stück
vertonen würde.


Giuseppe Verdi, der
bedeutendste der italienischen Opern-Komponisten, die sich mit Schiller
auseinandersetzten, hat nicht nur - wie nach ihm Tschaikowski - Die
Jungfrau von Orléans, sondern auch Die Räuber, Luisa Miller und Don Carlos
vertont. Was die Opernkomponisten an den Schillerschen Freiheitsdramen
reizte, waren vor allem die bühnenwirksamen Sujets, die politischen Themen
und die dramatischen moralischen Konflikte. Selbst Rossini konnte sich
eines freiheitskämpferischen „Guglielmo Tell“ nicht enthalten. Wo man sich
in den Opern-Libretti um der Komponierbarkeit wegen sprachliche und
dramaturgische Eingriffe in den Schiller-Dramen gestattete, wurde die
sprachliche Musikalität der Lyrik Schillers kaum je in Abrede gestellt.
Auch wenn Schiller keineswegs zu den am meißten vertonten Dichtern der
deutschen Sprache gehört, wie Goethe, Eichendorff, oder Heine, so hat schon
seine Jugend-lyrik zahlreiche zeitgenössische Vertonungen nach sich
gezogen, durch Mendelssohn, Johann Friedrich Reichardt, Schubert, Naumann,
Johann Friedrich Zumsteeg und Carl Friedrich Zelter.

Neben Liedern wurden schon
zu Lebzeiten Schillers viele Bühnenmusiken zu seinen Dramen komponiert. Von
Ignaz Fränzl zu Fiesko und von Franz Danzi zu den Räubern etwa. Ludwig van
Beethoven war es, der in seiner Neunten Sinfonie mit der Vertonung der „Ode
an die Freude“ im Jahre 1824 den unmusikalischen Schiller auch im Bereich
der Tonkunst vollends unsterblich machte.

Partiturseite der "Ode an
die Freude"
Beitrag für NDR-Kultur, 9.5.2005:
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