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Dieter David Scholz
KOMMENTAR Wolfgang Wagners neuster Coup
An strategischen Einfällen hat es ihm noch nie gefehlt, dem heute 88-jährigen Patriarchen auf dem Grünen Hügel. Und wenn es darum geht, seine Macht und vor allem die seiner Tochter Katherina für die Zukunft zu sichern, scheint ihm alles recht zu sein, was hilft. Seit dem überraschenden Tod seiner Gattin Gudrun blühe er förmlich auf und sei aktiver denn je in der Leitungsetage der Bayreuther Fest-spiele, so meldet der Bayreuther Buschfunk. Kaum zwei Monate nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau hat Wolfgang Wagner sich nun einen neuen Schachzug ausgedacht, die gemeinsame Tochter Katharina, seine Wunschnachfolgerin am Grünen Hügel, ein Stück weit nach vorn zu bringen und allen Anderen die Bayreu-ther Zukunft zu erschweren. Denn er weiß, dass Katharina im Stiftungsrat, der über die Zukunft zu entscheiden hat, nicht eben die besten Chancen eingeräumt werden. Einem Bericht des „Nordbayerischen Kurier“ zufolge hat Wolfgang Wagner – ge-meinsam mit seiner ambitionierten Tochter Katharina eine „Bayreuther Festspiele Medien GmbH“ gegründet. Der amtierende Bayreuther Festspielchef hat damit die 29-Jährige auch juristisch mit in die Verantwortung für die Richard-Wagner-Festspiele einbezogen. Sie ist nun ganz offiziell Geschäftsführerin dieser Bayreu-ther Festspiele Medien GmbH. Das neue Unternehmen diene, so die offizielle Verlautbarung, der „gewerblichen Nutzung von Rechten und Produkten aus dem Bereich der darstellenden Kunst, insbesondere des Musiktheaters“, so der Anwalt der Festspielleitung. Im Han-delsregister ist dies auch so eingetragen. Insbesondere sollen die dringend wieder anzukurbelnden Mediengeschäfte , also die CD- und DVD-Verwertung geregelt und optimiert werden. Auch solle mit der Gründung der „Bayreuther Fest-spiele Medien GmbH“ das Risiko aus Konzerten und Gastspielen besser abge-deckt werden. Bislang habe Wolfgang Wagner, der seit 1987 alleiniger Ge-schäftsführer der Festspiel GmbH ist, als Privatperson für eventuelle Verluste gehaftet. Schön und gut. Aber, was heißt denn das konkret? Es heißt doch, dass hier ein-mal mehr Familienmachtssicherung betrieben wird, von dem die Festspiele be-treibenden Familienzweig. Denn jeder, der künftig die Geschicke der Bayreuther Festspiele leitet und nicht Katharina Wagner heißt, wird sich wohl oder übel, wenn es um Radio-, Fernseh- und DVD-Mitschnitte aus Bayreuth geht, mit Wolfgang und Katharina einigen müssen. Eine listige Konstruktion also, Katharinas Macht am Hügel schon jetzt auszubauen, für alle Fälle. Und künftigen Festspielleitern, wie sie auch heißen mögen, Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Es soll wohl allen Bewerbern der Mut genommen werden und die Lust auf Bayreuth, denn sie müssten möglicherweise mit Dauerfehden und unschöner Blockadepolitik Katha-rina Wagners rechnen. Das erschwert die dringend notwendige Nachfolger-Fin-dung ganz erheblich! So verständlich es ja ist, dass ein Vater schon zu Lebzeiten daran arbeitet, seine Macht an die Lieblings-Tochter weiterzugeben und dafür wasserdichte juristische Konstruktionen ersinnt: Es geht bei den Bayreuther Festspielen nicht um Privat- und Familienangelegenheiten. Die Bayreuther Festspiele sind seit 1973, seit der Gründung der Richard-Wagner-Stiftung, kein Familienunternehmen mehr! Heißt das nicht aber, so wird mancher fragen, in diesem Falle, dass da ein auf Zeit, wenn auch auf Lebenszeit amtierender Festspielleiter einer staatlichen Stif-tung sein Amt missbraucht, um angesichts seines Alters und seines absehbaren Ausscheidens aus seinem Amt seine ganz privaten FamilienEitelkeiten zu sichern? Und das möglicherweise zum Nachteil der Institution, deren Leiter er ist, für die Zeit nach ihm? Der Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele wird dies dringend zu bedenken haben, und er wird juristischen Rat einholen müssen, denn im März läuft die Bewerbungsfrist für künftige Bayreuther Festspielleiter ab.
KOMMENTAR für SWR 2, Musik Aktuell, 9.2.2008
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