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Dieter David Scholz
Kommentar in SWR 2, Journal 08.09.2011 Bayreuther Imageschaden Katherina Wagner hat es sich als eine ihrer „Errungenschaften“ auf die Fahnen geschrieben: Bayreuth soll für alle da sein. Festspiele als Freilichtkino zwischen Würstlbude und Bierzelt. Diese Live-Übertragung aus dem Festspielhaus auf dem Bayreuther Volksfestplatz steht nun vor dem „Aus“. Denn der wichtigste Sponsor der Bayreuther Festspiele, der Siemens-Kon-zern, der neben diesem „Publicviewing“, der sogenannten „Siemens-Festspielnacht“ auch die Livestreams im Internet finanzierte, entzieht den Bayreuther Festspielen ab sofort seine Förderung. Die offizielle Begründung seitens des Siemenskonzerns: Man wolle neue Wege gehen und sich anderen Projekten zuwenden, denn der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg seien nun mal Ver-änderungen und die Setzung neuer Akzente. Ob das die ganze Wahrheit ist? Die Bayreuther Gerüchte-Spatzen pfeifen seit einiger Zeit schon von den schönen fränkischen Dächern herab, mit wem alles sich Katherina Wagner (die in der Festspielleitung angeblich das Sagen hat) zerstritten habe. Auch mit Siemens? Es sei dahingestellt. Doch bei der Fördersumme von etwa einer Million Euro pro Saison, die den Bayreuther Festspielen künftig fehlen werden, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach ab 2012 Schluß sein mit Livestream im Internet und Live-Übertragung auf dem Volksfestplatz. Und womöglich mit manch Anderem. Denn auch die „Kinderoper“ am Grünen Hügel und die schick aufge-putzten VIP-Launches werden mit Sponsorengeldern finanziert. Der ganze nebensächliche Schnickschnack der Wagner-Halbschwestern Katharina und Eva, die derzeit als Festspiellei-terinnen auf dem Grünen Hügel residieren, steht jetzt auf dem Spiel. Was aber viel Schlimmer ist als das Ende dieser von Vielen ohnehin als fragwürdig, ja überflüssig bezeichneten Be-gleitveranstaltungen, ist der Imageverlust, den die Bayreuther Festspiele mit dem Absprung des Siemenskonzerns zu beklagen haben. Nachdem Katharina Wagner schon mit der Gründung eines zweiten Mäzenatenvereins den alten, verdienstvollen brüskierte, nachdem sie mit ihrem Regietheatergeschmack einen Groß-teil von Publikum und Presse vergräzte (der diesjährige „Tannhäuser“ von Sebastian Baum-garten wurde fast einhellig abgelehnt), nachdem der Bundesrechnungshof die Bayreuther Festspiele wegen intransparenter, ja dubioser Ticketvergabe rügte, war das Ansehen des ältesten und bedeutendsten deutschen Opernfestivals schon arg ramponiert. Ganz zu schwei-gen von den Querrelen um den bevorstehenden Jubiläums-„Ring“ 2013. Innerhalb eines Jah-res ein Rekord an Negativ-Schlagzeilen, die die neue Festspielleitung zu verantworten hat. Dass jetzt auch noch ein so renommierter und finanzstarker Mäzen wie der Siemenskonzern sich von den Bayreuther Festspielen zurückzieht, ist ein Imageschaden, der kaum wieder gut zu machen ist und Signalwirkung haben wird. Die Auswirkungen auf andere potentielle För-derer wie aufs Publikum, das ohnehin zögerlicher denn je um Eintrittskarten ansteht, sind un-absehbar. Spätestens jetzt müssten bei den Gesellschaftern der Bayreuther Festspiele (die ja nach dem Ausscheiden Wolfgang Wagners endgültig ein Quasi-Staatstbetrieb wurden) alle Alarmglocken läuten!
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