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Dieter David Scholz
Bayreuther Festspiele 2011- Brodeln hinter den Kulissen Ein Kommentar Alle Jahre wieder meldet sich pünktlich vor Eröffnung der Wagner-Festspiele ein Mitglied der Wagnerfamilie zu Wort, um andere zu attackieren. Und so hat Nike Wagner wieder einmal ihre Cousinen Eva und Katherina, die heutigen Herrinnen von Bayreuth, angegriffen. Nicht wegen Wagner. Nein, wegen Liszt. Seinen 200sten Geburtstag, würden sie sträflich vernach-lässigen. Dabei feiert die Stadt Bayreuth das ganze Jahr über Franz Liszt mit einer Unmenge von Veranstaltungen. Es sei skandalös, dass das Festspeilhaus nicht für ein Gedenkkonzert geöffnet werde, so Nike Wagner. Schließlich seien die Wagners in Liszts Schuld. Aber wer sollte denn die ausserplanmäßige Öffnung des Wagner vorbehaltenen Tempels – in dem es nie eine Ausnahme gab - bezahlen? Nike müsste es eigentlich besser wissen. Aber die alte Dame will ja nur mal wieder im Rampenlicht des Wagnertheaters stehen. Sie braucht das. Dabei hätte sie allen Grund, das Bayreuth ihrer Cousinen wegen wirklicher Probleme zu kritisieren. Schon jetzt ist beispielsweise durchgesickert, dass der neue Tannhäuser in der Regie von Sebastian Baumgarten skandalträchtig ist. Nein, nicht wegen künstlerischer Provokationen. Sondern weil die neue Mäzenatenvereinigung, also das „Team aktiver Festspielförderer“ kurz TAFF genannt, kostenlos zuschauen darf. Die 300 Mitglieder des Vereins werden in Gruppen zu je 50 in allen sechs Tannhäuser-Vorstellungen auf der Bühne sitzen. Eine Brüs-kierung der altbewährten „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“ mit ihren 5000 Mitglie-dern., die schließlich seit 1951 Bayreuth mit mehr als 50 Millionen Euro unterstützten. Und die müssen ihr Kontingent an Karten bezahlen! Und eine Brüskierung des Bundesrech-nungshofes, der schließlich scharf monierte, dass im vergangenen Jahr nur 40 Prozent der Bayreuther Eintrittskarten in den freien Verkauf gelangt seien, bei Premieren sogar nur 16 Prozent, der Rest werde entweder als Freikarten oder als feste Kontingente an Sponsoren und Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vergeben. Gewöhnliche Sterbliche warten 10 Jahre auf Karten! Nicht zu vergessen, Bayreuth ist quasi ein Staatstheater. Und öffentliche Subventionen sollten doch allen zugute kommen. Oder nicht?
Mehr gespannt ist man auf den neuen „Ring“ in Bayreuth 2013. Doch Regisseur Wim Wen-ders hat abgewunken. Ein neuer Regisseur ist noch nicht benannt. Nur Gerüchte wollen wis-sen: Es wird wohl Christof Loy sein. Der inszeniert gerade in Salzburg die „Frau ohne Schat-ten“. Er habe, so hört man, ein fertiges „Ring“-Konzept in der Tasche, das er, ohne dass es je realisiert wurde, für ein anderes Theater konzipiert habe. Prima. Aber es ist nur ein Gerücht. Auch Frank Castorf ist im Gespräch. Sicher ist hingegen, dass Katherina Wagner im Wagnerjahr 2013 in Buenos Aires, am Teatro Colon, Zeit findet, einen Ring zu inszenieren, zumindest eine Kurzfassung. Na ja, vielleicht langweilt sie sich in Bayreuth. In dem man ja ohnehin, wie sie in der Boulevardpresse habe verlautbaren lassen, nicht leben könne. Warum zieht sie dann nicht um?
Was unter den Teppich gekehrt wird, auch und gerade von Katherina Wagner, ist die erstaunliche Tatsache, dass Christian Thielemann - bisheriger Hauptdirigent und musikalischer Berater in Bayreuth - demnächst musikalischer Leiter der Salzburger Osterfestspiele sein wird und dort seinen Einstand im Jahre 2013 ausgerechnet mit Wagners "Parsifal" geben wird. Bisher galt in Bayreuth: Wer hier arbeitet, darf nicht auch zugleich in Salzburg arbeiten. Aber vielleicht gibt auch in diesem Punkt das heutige Bayreuth seine bisherigen Prinzipien auf und passt sich den Gesetzen des Marktes und des Zeitgeists an. Es scheint ja auf dem besten Weg dorthin zu sein.
In SWR 2, Musik aktuell, 22.07 07.
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